Die Scheibe ist zum jetzigen Zeitpunkt ein bisserl jung um als Klassiker zu gelten. Aber es wird einer, da bin ich fast sicher.
Die CD hat eine Geschichte die relativ ausführlich im Booklet beschrieben ist. Es ist die Geschichte der sterbenden Kultur der Garifuna. Die enthaltene Musik ist tief in dieser Musik verwurzelt. Ich kenne zwar weder die Kultur, noch verstehe ich etwas von den Texten - diese sind allerdings im Booklet auch übersetzt. Die Texte sind alle recht simpel und befassen sich meist mit alltäglichen Dingen. Dennoch hat die Musik eine enorme emotionale Tiefe und Glaubwürdigkeit - Qualitäten, die sich nur erreichen lassen, wenn Musik im wirklichen Leben, hier also in der Garifuna Kultur verwurzelt ist.
Auch musikalisch bietet Watina viel. Insbesondere rythmisch erreichen viele Stücke beachtliche Komplexität. Dabei mischen sich Karibische Elemente nahtlos und natürlich mit afrikanischen. Das Grundgerüst bildet ein hervorragender Bass, der - wie auch manche rythmische Grundgerüste - an Reggea gemahnt. Darüber modulieren eingängige einfache Melodien die jedoch durch Modulation interessant bleiben. Vorgetragen werden sie virtuos von rauhen Männerstimmen mit afrikanischen Timbre auf Garifuna, einer ebenfalls afrikanisch klingen Sprache. Durch den Einbau zahlreicher moderner Elemente klingt die ganze CD modern und ist westlichen Ohren leicht zugänglich, ohne sich aber dem Mainstream an zu biedern. Harmonisch sind die Stücke eher simpel. Alles klingt wie aus einem (stilistischen) Guss.
Höhrer afrikanischer und karibischer Musik werden wenig revolutionär neues entdecken. Vielmehr handelt es sich um eine außerordentlich gelungene Fusion dieser und moderner Elemente, wobei diese Fusion vermutlich über Jahrhunderte in der Garifuna Kultur geschah und daher hier sehr natürlich und glaubwürdig klingt. Vermutlich aufgrund dieser Authentizität und der karibischen Elemente und der melancholischen Grundstimmung wird Watina des Öfteren mit Buena Vista Social Club verglichen. Watina klingt afrikanischer und viele Stücke fußen auf treibenden Grooves. Alle Elemente zeugen von dem großen musikalischen können des Garifuna Collective. Virtuos, jazzige Passagen wie in Buena Vista Social Club gibt es aber nicht. Und das ist vermutlich der wesentlichste Unterschied. Während auf Buana Vista die Songs famosen Musikern als Vehikel dienten ordnen sich auf Watina ebenso famose Musiker den Songs unter, die wiederum einem explit formuliertem Ziel dienen: die sterbene Kultur der Garifuna wieder zu beleben.