Wenn man sich für Vulkanismus interessiert, ist ein Besuch der Eifel ein Muss. Doch die lieblich grüne Hügellandschaft steht in starkem Kontrast zu dem Bild eines symmetrischen Bergkegels, aus dessen Krater eine rot glühende Lavafontäne eruptiert. Mancher mag es sich damit erklären, dass der Vulkanismus lange zurückliege, obwohl der letzte Vulkanausbruch nach geologischen Dimensionen gerade mal gestern stattfand, nämlich vor 11 000 Jahren. Davon sollten sich doch deutliche Spuren finden lassen.
Früher oder später steht dann jeder Eifelbesucher in einem so genannten Aufschluss, einem Steinbruch oder vor einer Straßenböschung und starrt verständnislos auf ein Gewirr aus Steinen, die sich in unterschiedlich dicken, dichten, farbigen Lagen angeordnet und in alle Himmelsrichtungen orientiert vor ihm ausbreiten, doch bestenfalls liest er auf Hinweistafeln einen Schwall von Fachbegriffen und räumlich begrenzte Erklärungen, die er spätestens nach einem Foto und einem Bier im Vulkankeller wieder vergessen hat. Zurück bleibt das undeutliche Gefühl etwas nicht wirklich erfasst zu haben.
Genau dort setzt das Buch "Vulkane der Eifel" von Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmincke an, das auf fast 40 Jahren eigene, weltweite Forschung basiert.
Geschrieben ist es für den interessierten Laien, den Vulkanbegeisterten aber auch als gut bebildertes Anfangslehrbuch der Vulkanologie, oder für Exkursionen mit Studenten der Geowissenschaften.
In einem schnellen Exkurs führt Schmincke den Leser in die allgemeine Vulkanologie ein und erörtert - sofern es für das Verständnis des Buches von Nöten ist - die Erddynamik.
Er betrachtet den Vulkanismus in der Eifel im ihrem großtektonischen Umfeld und räumt ganz nebenbei noch mit alten Missverständnissen und Halbwahrheiten auf.
Ausgerüstet mit dem erforderlichen Hintergrundwissen begibt sich Schmincke dann in die Realität eines Eifelbesuchers und versetzt den Leser mit Hilfe unzähliger Fotos in die Lage die Erscheinungsformen des Vulkanismus zu erkennen und zuzuordnen.
Hier und da plaudert der Vulkanologe über seine Arbeit im Gelände. Das sind die Momente, in denen seine Begeisterung für die Materie auf den Leser überspringt.
Sein besonderes Augenmerk richtet Schmincke in diesem Buch auf die Eruption des Laacher See Vulkans vor 12 900 Jahren. Es war die gewaltigste Vulkaneruption in Mitteleuropa nach der Eiszeit. Nicht vergessen darf man dabei, dass zu dieser Zeit bereits Menschen östlich des Rheins gelebt haben, die Zeuge dieser gewaltigen Eruption gewesen sein könnten.
Schmincke entwirft aufgrund der Ablagerungen ein detailliertes Bild vom Ablauf der Eruption in ihren unterschiedlichen Phasen und schafft Vergleiche zu modernen Eruptionen, wie etwa die des Pinatubo auf den Philippinen. Auch hier bildet die reiche Bebilderung die Grundlage für das Verständnis.
Ingesamt also ein Buch, das vermutlich für viele Jahre das Standartwerk sein wird. Es beleuchtet geballtes Wissen über die nicht allzu ferne Vergangenheit der Region Eifel detailliert und verständlich und weiß den interessierten Leser mit dem Resultat zu verblüffen.
(Daniela Szczepanski, VULKAN-ARCHIV, Juni 2009)