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Wenn im Vogelbeerbaumland ein Paket aus dem Westen ankommt, dann ist richtig was los in der Familie von Marie. Die quält sich durch ihre Ost-Jugend, muss im Dirndl herumlaufen statt sich wie Mitschülerin Schnauzenmanuela AC/DC-Aufnäher auf die frisch erfickte Westjeans zu pinnen. Dabei steht sie doch ohnehin schon Abseits, wird mit ihren roten Haaren als Hexenkind verunglimpft und darf im Sommer nicht mit ins Jugendlager fahren. Doch immerhin einen Lichtblick gibt es für Marie: "Grandaddy", der nach Kanada ausgewandert ist und regelmäßig Westprodukte vorbeischickt. Bis er von der kanadischen Regierung an den BRD ausgeliefert wird: Er hat im Zweiten Weltkrieg rund 10 000 jüdische Kinder ermordet. Reglindis Rauca lässt Kindheit und Jugend im Osten in Form der freien Assoziation auferstehen. Ihre Sätze sind mal weitläufige, verschachtelte Gebilde, mal nur einzelne Worte. Satt in Ostalgie zu verfallen, blickt die 42-jährige Autorin aus Plauen mit journalistischer Distanz und Zynismus auf die dörfliche und ideologische Enge: auf die Leere der Geschäfte, die Verlogenheit der Kirche, die ewigen Parolen. (bl)
Lutz Behrens, Vogtland-Anzeiger, 12. Juni 2008
"Ein außerordentliches, großartiges Buch. Bemerkenswert an diesem literarischen Debüt ist die Sicherheit der Komposition und die souveräne Nutzung auch moderner künstlerischer Mittel. Da wird zwar in der Regel chronologisch erzählt, aber Rückblenden, Assoziationen, lyrische Einsprengsel oder auch der sichere Umgang mit der Syntax machen das Buch lesenswert und spannend."
Ute Grundmann, Kunststoff, April 2008
Ein gelungenes Romandebüt, ein Stück Zeitgeschichte.
Reinhold Lindner, Freie Presse, August 8, 2008
Von der ersten bis zur letzten Zeile hält die Autorin den Leser in Atem - es ist ein feines, warmherzig empfundenes Buch. Reglindis Rauca schreibt unverstellt autobiografisch und mit großem literarischen Talent in einer reifen Sprache.
Rezension
Dem Mitteldeutschen Verlag ist mit Reglindis Rauca die Entdeckung eines besonderen literarischen Talents gelungen.
Werbetext
Reglindis Rauca hat einen Roman geschrieben, in dem das Grauen zwischen den Zeilen schwebt. Es ist aber auch ein poetischer Text geworden, gespickt mit Zitaten aus Gedichten von Christian Morgenstern.
Dresdner Neueste Nachrichten, 3./4. Januar, 2009
Ein Buch, das mit Details über das Alltagsleben in der DDR besticht. Sehr genau und bewegend beschrieben werden die Ängste und Schuldgefühle des schmalen, rothaarigen Mädchens, das von den Mitschülern verspottet und ausgestoßen wird.
Rüdiger Bernhardt in unsere zeit, Dezember 19, 2008
Ein heimlicher, umstrittener Bestseller.
Kurzbeschreibung
Irgendwie stimmt es von Anfang an nicht. Marie hat rote Haare und fühlt sich wie ein Hexenkind. Als ebenso widerspenstiger wie unsicherer Wildfang wächst sie im idyllischen Vogtland auf. Stoisch blendet die Mutter alles aus, was über den engsten Familien- und Kirchenkreis hinausgeht, der Vater erzieht die Kinder warmherzig, aber voll unterschwelliger Wut auf die Roten. Man verhält sich unauffällig, Marie jedoch fällt aus dem Rahmen. Bei den Mitschülern unbeliebt und in der eigenen Familie immer wieder aneckend, leuchtet ihr einfach nicht ein, was an der staatlichen Ideologie so schlecht sein soll. Bis ihr Weltbild grundlegend erschüttert wird, als der in Kanada lebende Großvater an die BRD ausgeliefert wird und Marie erfahren muss, dass das einzige Familienmitglied, dem sie sich wirklich verwandt fühlte, ein international gesuchter SS-Verbrecher ist. Vuchelbeerbaamland erzählt auf originelle Weise nicht nur eine Geschichte vom Erwachsenwerden im deutschen Osten, sondern von der überall schwierigen und konfliktreichen Suche nach Orientierung und Identität in der Vielschichtigkeit und Brüchigkeit der Systeme.
Über den Autor
Reglindis Rauca, geboren 1967 in Plauen, lebt in Düsseldorf. Ausbildung zur Krankenpflegerin in Dresden, Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Engagements an verschiedenen Theatern. Tätigkeit als Werbetexterin und Grafikerin.