Aus der Amazon.de-Redaktion
Trotz genauer Planung des Arrangements wirken die Bilder nicht gestellt. Eine Frau stöckelt auf High Heels durch ihr Schlafzimmer. Das Licht ist diffus, leichtes Korn ist auf dem Foto zu erkennen. Im Hintergrund zwei Matratzen auf dem Parkettboden, eine aufgeschlagene Zeitschrift, Schuhe mit Plateausohlen, ein Aschenbecher. Die Frau bewegt sich auf das Bett zu. Es ist ein eingefrorener Moment eines Filmausschnittes aus einem alltäglichen Leben.
Eine andere Dame mit blonder Mähne arbeitet sich auf Krücken nackt und mit einer Banane im Mund nach vorn Richtung Betrachter, der sie durch das offene Fenster beobachtet. Obwohl auch diese Szene mit dem Modell genauestens vorbereitet wurde, wirkt sie echt. Kempen provoziert -- auch mit Tabus. Frauen auf Herrentoiletten, onanierende Damen im Bett oder unter dem Solarium, nackte Haut auf Bahnhöfen, in S-Bahnen oder vor Denkmälern in Berlin sind gewagte Experimente, die nur aufgrund der Toleranz der Berliner Polizei und der Verkehrsbetriebe zustande kommen konnten.
Kempen arbeitet fast ausschließlich mit Amateurmodellen, die er in Cafés, auf der Straße oder bei Ausstellungen anspricht. Und, wenn man Bernhard Hausner im Vorwort glauben darf, bekommt er nie einen Korb. Der Bildband ist mit ungewöhnlichen Bildern aufrüttelnd und provoziert, ja schockiert, auch in unserer liberalen Zeit. --Corinna S. Heyn
Kurzbeschreibung
"Uwe Kempen sucht sich ungewöhnliche Orte und Sichten, um dem Alltag ein erotisches Ausrufungszeichen zu verpassen." (Das Magazin)Uwe Kempen, Jahrgang 1960, lebt und arbeitet in Berlin. Seine erste Ausstellung fand 1990 in Krefeld statt, die ersten Aktbilder zeigte er 1994 in Köln. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.