2002 stieß ich auf der von Rough-Trade-Gründer Geoff Travis veröffentlichten Compilation "Another Country 2" auf den Song "Wheels Going By" von Eileen Rose. Zwei Alben hatte die Dame (nach ihrem Bandprojekt Fledgling, 1995) solo aufgenommen, wovon "Long Shot Novena" (2002) echt Klasse bewies und sehr vielversprechend klang... Tja, danach ging es ebenso rasch bergab. Eileen Rose wollte nun ganz viele Zuhörer gewinnen, versuchte eine neue Sheryl Crow zu sein und brachte ihr erstes Mainstream-Album namens "Come The Storm" (2005), das so dermaßen gefällig war, dass ich das Interesse verlor.
Aber hier geht es natürlich um Kathleen Edwards: Das Debüt der Kanadierin trug den Titel "Failer" (2003) und war als kleine Independentproduktion richtig gut, sowohl mit Blick aufs Songwriting als auch hinsichtlich der Umsetzung, d.h. stimmlich und in Sachen Produktion. Vor allem der Nachfolger "Back To Me" (2005) konnte mich persönlich sofort überzeugen: Hier war plötzlich eine hungrige, leidenschaftliche Künstlerin zu spüren, die es wissen zu wollen schien. Druckvoll und textlich versiert, musikalisch vielfältiger und auch mutiger als beim Erstling, ein klasse Album, das sich vor nichts und niemandem mehr zu verstecken brauchte. Sie immerzu mit anderen Sängerinnen zu vergleichen, was auffällig gern getan wurde/wird, und ihr das Recht auf eine eigenständige Arbeit abzusprechen, weil es Lucinda Williams bereits gibt, war schon damals ein Blödsinn. Dennoch schürte "Back To Me" natürlich auch die Erwartungen. Wohin würde die Reise wohl gehen...?
Und da komme ich eben wieder auf Eileen Rose zu sprechen, denn auch Kathleen Edwards - inzwischen beim Mediengiganten Universal Music unter Vertrag! - sucht mit Gästen wie Bon Iver und Norah Jones inzwischen eindeutig den Anschluss an den Entertainment-Mainstream. Sie serviert uns "Americana" im radiotauglichen Gewand und kommt bei mir an keiner Stelle über ein "Ganz nett!" hinaus. Dazu soll ein clever inszeniertes und geschnittenes Marketing-Video den Namen etablieren, darauf gibt es ganz, ganz wichtig klingende Interview-Schnipsel zu Leben und Liedern, wobei letztere dann nicht ansatzweise halten, was die Selbstinszenierung verspricht. Was fehlt, ist eindeutig Substanz! Wie Eileen Rose wäre auch Kathleen Edwards wahrscheinlich gern die nächste Sheryl Crow oder Lucinda Williams, also eine erfolgreiche Frau im amerikanischen Rock- und Pop-Business, doch leider unterlaufen ihr die gleichen Fehler wie der Erstgenannten, denn ihre Musik ist bei aller Radiotauglichkeit inzwischen zu blass und nichtssagend. Schade!
Ihre ersten beiden Alben waren tolle Independent-Produktionen, klein aber fein, spröde und mit dem Mut zu Ecken und Kanten, musikalisch versiert und textlich subtil. Textlich will ich sie und ihr Werk auch keinesfalls schlecht reden. Aber musikalisch ist das auf dem vierten Album nur die Einheitssoße von Hunderten dieser Art von Softrock-Produktionen, mit denen die Musikindustrie jährlich den Markt überschwemmt - in der Hoffnung es passiert so etwas wie im Fall von Adele. So bleibt leider nichts übrig, als festzustellen, dass "Voyageur" schlicht langweilig ist. Wer wirklich klasse Frauenstimmen im Segment von Folk- und Countryrock sucht, sollte sich mal bei Neko Case oder Gillian Welch umtun, die beide seit Ende der 90er kein einziges schlechtes Album veröffentlicht haben.