Der Psychiater Hector ist unzufrieden. Trotz aller Bemühungen gelingt es ihm nicht, seine Patienten glücklich zu machen. Also packt er seine Sachen und macht sich auf die Suche nach "Dem Glück". Was macht Menschen glücklich und was hindert sie daran, glücklich zu sein? Die Erfahrungen, die er während seiner Reise macht, stellt er in einer Liste zusammen, die sich schließlich wie die Nomenklatur zur Definition von Glück liest:
leçon 1: "Un bon moyen de gâcher son bonheur, c'est de faire des comparaisons"
leçon 13: "Le bonheur, c'est de se sentir utile aux autres."
leçon 20: "Un grand poison du bonheur, c'est la rivalité."
François Lelord nimmt in seiner Geschichte bewusst den Standpunkt eines Märchenerzählers ein, der in sprachlich einfachen Worten versucht, sich einem sehr komplexen Thema zu nähern. Dies gelingt ihm zumindest insofern, als er eine ganze Reihe von Ergebnissen der Forschung in einfachen Worten und sehr anschaulich erklärt. Inwiefern diese Ergebnisse dem einzelnen Leser vor der Lektüre tatsächlich unbekannt waren, sei dahingestellt, aber man kann dem Autor zumindest den Verdienst zusprechen, sie sprachlich zu konkretisieren.
Wie schon angesprochen, ist die Sprache des Buches für den erwachsenen Leser zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Der kindliche Sprachduktus, den Lelord für seine Geschichte wählt, erinnert an den "Petit Nicolas" und soll durch die Verbindung von Naivität und Offenheit entlarvend und unterhaltend wirken, was für einen Großteil des Buches auch zutrifft.
Darüber hinaus regt er die Eigenaktivität des erwachsenen Lesers immer wieder an, indem er nicht dem bekannten Sprachgebrauch von Erwachsenenliteratur entspricht und somit verfremdend wirkt. Lelord stellt sich hierbei sprachlich in eine lange Tradition, die ihren Anfang bei Voltaires Klassiker "Candide" hat, in dem der Autor im Übrigen eine ganz ähnliche Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der sich auf eine Reise begibt, in deren Verlauf er immer wieder recht naive Überlegungen zum Glück anstellt:
"Candide concluait qu'après le bonheur d'être né baron de Thunder-ten-tronckh, le second degré de bonheur était d'être Mlle Cunégonde; le troisième, de la voir tous les jours; et le quatrième, d'entendre maître Pangloss, le plus grand philosophe de la province, et par conséquent de toute la terre."
Insgesamt ist "Le voyage d'Hector" ein Buch, das sich recht leicht an zwei Nachmittagen lesen lässt, und aus dem man doch den einen oder anderen Gedanken als Anregung zum Weiterdenken aufnehmen kann.