Eines sollte man gleich vorweg schicken: Diese Geschichte ist nichts für Leute, denen der bloße Gedanke an ein menschliches Geschlecht die Schamesröte ins Gesicht treibt (leider verpassen diese Leute dann aber auch den unverkennbaren Stil von Nicholson Baker mit seinem herrlichen Blick auf die Details des Lebens, an denen manch anderer vorbeigeht, ohne sie eines Blickes zu würdigen). Nun, wenn man so will handelt es sich bei dieser Geschichte um Telefonsex, aber Nicholson Baker wäre nicht Nicholson Baker, wenn er nicht auch dieses Thema aus seinem ganz eigenen Blickwinkel betrachten würde. Wie gesagt ist dieser Blick ein Blick, der sich auf die Details des Lebens stürzt und gerade wenn es um Erotik geht gibt es viele Details, die es zu betrachten gibt und die in dieser Geschichte auch betrachtet werden. Er nennt die Dinge beim Namen und ist auch nicht verlegen darum den Dingen neue, passende und schöne Namen zu geben (so kreiert er zum Beispiel im englischen Original das Wort "Femalia" für das Ensemble des weiblichen Geschlechts - schöner als alles Bekannte aus der Umgangssprache oder dem offiziellen "medizinischen" Sprachgebrauch). Wie auch bei anderen seiner Geschichten besteht die Handlung nicht aus ausgeklügelten verworrenen Plots sondern beschränkt sich auf das Telefonat eines Mannes mit einer Frau. Im wesentlichen gibt er nur deren Dialog wieder. Das ganze besitzt in gewisser Hinsicht eine Analogie zum Liebesspiel der Geschlechter: Ein vorsichtiges Herantasten von beiden Seiten - abwechselnd spielen sie mit erotischen Träumen, erzählen sich ihre Erlebnisse der besonderen Art - anfangs noch eher harmloser Natur, unterbrochen von gleichermaßen "leicht philosophischen" wie auch belanglosen Intermezzi; später ein Schwelgen in schon recht expliziten sexuellen Phantasien. Das ganze endet dann in einem gemeinsamen Höhepunkt - einer gemeinsamen Geschichte, mit der sie sich gegenseitig bis zu ebenjenem erregen. Ein zwar dünnes, dafür aber umso prickelnderes, erotischeres und schöneres Buch.