"Vorweltschweigen" basiert wohl auf der Musik der österreichischen Neofolker "Sturmpercht", die ich bislang nur ganz am Rande zur Kenntnis genommen habe. Wie nah "Vorweltschweigen" am musikalischen Grundgerüst der Sturmpercht-Titel ist, und inwieweit die Texte übernommen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicherlich bin ich nun aber, nach bestimmt zwanzigmaligem, immer begeisterterem Hören von "Vorweltschweigen", neugierig geworden, was es mit Sturmpercht auf sich hat (eine bekanntere Neofolk-Truppe also, die mir tatsächlich mal durch die Lappen gegangen ist).
Der "alpine" Black Metal/ Pagan Metal der Österreicher "Rauhnacht" jedenfalls, ist harsch und naturbelassen; er vereint meist souverän Epik, Tristesse und Melancholie, Schönheit und bedrohliche Stimmungen. Die kargen Folk-Zugaben, oft nur sehr am Rande, als Einsprengsel, in Titeln wie "Auf Zur Schlacht" aber auch in größerem Umfang zum Einsatz kommend, sind eine Bereicherung, und die eindrucksvoll kalten, gespenstischen Keyboardklänge, die das sehr starke "Dem Schicksalsfeld Entgegen" einleiten und dann umfassen, suchen ihresgleichen. - Für mich ich dieser Titel eines der musikalischen Aha-Erlebnisse 2012.
Unbedingt hervorzuheben ist auch das, gleich auf das "Dem Schicksalsfeld Entgegen" folgende, facettenreiche "Auf Zur Schlacht", das meisterhaft "mittelalterliche" Melodien, hymnischen und schnellen Black Metal und einschmeichelnden, leicht melancholischen (Neo-)Folk miteinander vereint, wozu noch der wirklich gute Text* kommt, der vom kehligen Gesang, der definitiv näher am Black Metal, als am Pagan Metal ist, und fast immer zu überzeugen weiß, verständlich vorgetragen wird!
Das Aufzeigen musikalischer Parallelen ist ohne Frage eine große Orientierungshilfe, und so sei es: Manches auf "Vorweltschweigen" gemahnt an beste Momente aus dem Schaffen Vikernes`, manches (entfernt) an die epischen Sachen von Bathory, aber auch Geradliniges, Konkretes, nicht wenig an die Thüringer von Eisregen Erinnerndes, findet sich auf "Vorweltschweigen. Zuweilen wird auch ein Stimmung erzeugt, die an die frühesten Satyricon-Platten gemahnt. - Man könnte bei Rauhnacht also auch von historisierendem Black Metal sprechen.
Rauhnacht lassen schaurig-schöne Nachtbilder im Kopf entstehen, vom nächtlichen Herumirren über froststarre Hochgebirgswiesen; immer ungewiss, ob sich aus dem Nebel im fahlen Mondlicht ein paar zarte Bergblumen oder ein tödlicher Bergtroll schälen werden.
Rauhnacht erfinden das Rad nicht neu, nicht jeder Moment auf "Vorweltschweigen" weiß voll zu überzeugen, aber dennoch kann man hier von einer wirklich beeindruckenden, zuweilen sogar großartigen, Platte aus dem BM-Untergrund sprechen.
Die auf 1000 Kopien limitierte CD kommt in einer schön illustrierten Hülle im 7"-Vinyl-Ausmaß. Nicht so ideal für das Regal, aber ich will nicht meckern.
*Nicht von ungefähr: Der Text entstammt dem "Bundeslied' vor der Schlacht" von Theodor Körner (1791-1813).