Vortex bildet den Abschluss der Spin-Trilogie, Wilsons bisher wohl ambitioniertestem Werk. Turk Findley und Isaac Dvali, die am Ende von Axis von den Hypothetischen durch einen temporalen Bogen geschleust worden waren, werden 10.000 Jahre in die Zukunft versetzt, auf eine riesige künstliche Insel namens Vox, welche auf den Meeren der durch Hypothetischen-Bögen miteinander verbundenen Planeten treibt. Die Bewohner von Vox haben aufgrund ihres Wissens um die von ihnen verehrten Hypothetischen die Ankunft von Turk und Isaac erwartet. Ihre quasi-religiöse Hoffnung ist darauf gerichtet, durch die Vermittlung der beiden "Zeitreisenden" eine Aufnahme ihrer Gemeinschaft in das Netzwerk der Hypothetischen zu erlangen. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Isaac Dvali, der ja bereits von der Gemeinschaft seiner "Schöpfer" mit den Hypothetischen verlinkt worden war, hat die Fähigkeit erlangt, wie die Hypothetischen die Zeit zu manipulieren. Er bricht am Ende von Vortex zu einer Reise auf, die ihn buchstäblich an das Ende von Raum und Zeit - und darüber hinaus - führt. Das Ende erinnert in seinem Bombast an das Finale von Darwinia. Es ist schade, dass diese Ereignisse auf nur wenigen Seiten beschrieben werden und die Beschreibung äußert vage bleibt. Nach meiner Erfahrung ist das regelmäßig der Preis, den SF-Autoren (und damit auch die Leser) zahlen müssen, wenn die große kosmologische Keule rausgeholt wird (das hat man z.B. oft bei Peter Hamilton).
Das Wesen der Hypothetischen wird in Vortex endgültig enthüllt. Große Überraschungen gibt es da allerdings nicht mehr, da bereits in Spin und Axis genug Andeutungen gemacht wurden, aus denen der Leser sich ein Bild von den Hypothetischen zusammensetzen konnte.
Auch wenn ich Wilsons Fähigkeit, Hard-SF-Plots in "menschliche" Geschichten einzubetten, schätze, hätte ich mir diesmal etwas mehr SF und etwas weniger Beziehungskram gewünscht. Mir scheint, dass Wilson in Spin (einer der besten SF, die ich kenne) bereits zu viel Pulver verschossen hatte, so dass dann nicht mehr genug für Axis und Vortex übrig blieb. Möglicherweise wäre es besser gewesen, es bei nur einem Buch zu belassen - Spin hätte dann lediglich etwas umfangreicher ausfallen müssen.
Alles in allem ist Vortex sicher kein völliger Reinfall, aber nach den gigantischen Erwartungen, die Wilson in Spin (nicht Axis) aufgebaut hat, ist eine Enttäuschung fast vorprogrammiert.