In seinem Roman-Debut "Vorstellung vom zwanzigsten Jahrhundert" laesst Hoeg den Ich-Erzaehler die Geschichte(n) seiner Familie erzaehlen und erlaeutern. Dabei faellt auf, dass in dieser Familie - so unterschiedlich auch die sozialen Verhaeltnisse, aus denen ihre Mitglieder stammen, sind - kein einziger Mensch dem entspricht, was man allgemein als "normal" bezeichnet: hier gibt es Diebe und Moerder, absolutistische Monarchen und Betrueger, Zirkusprinzessinnen und Muttersoehnchen, Erloeserinnen und Sektengurus... Jeder einzelne traegt eine groessere oder kleinere Neurose mit sich herum, aber gerade deshalb, so der Erzaehler, beschreiben ausgerechnet diese Personen das 20. Jahrhundert so treffend: Ausnahmen bestaetigen die Regel.
Der Erzaehler weist auch immer wieder darauf hin, dass er verpflichtet sei, nur die Wahrheit zu schreiben. Deshalb verzichte er auf diese oder jene Version oder Spekulation, auch wenn sie noch so interessant waere.
Hoeg laesst seinen Protagonisten sehr genau die einzelnen Gefuehle und Stationen im Leben seiner Verwandten beschreiben, dadurch zieht sich der Roman streckenweise sehr in die Laenge. Den Stammbaum am Anfang des Buches benoetigt der Leser tatsaechlich, um in dieser grossen und ungewoehnlichen Familie den Ueberblick zu behalten. Hin und wieder muss man nachschlagen, denn teilweise ist das Werk doch sehr verwirrend. Aber vielleicht ist ja gerade das die Intention des Autors...