Ein Kinderbuch, welches in beispielhafter Weise darlegt, dass der Umgang mit einer Behinderung erlernbar und zu bewältigen ist.
Max von der Grüns Werk aus dem Jahre 1976 hat von seiner Aktualität nichts eingebüßt: der an den Rollstuhl gefesselte Kurt wird von seinen Mitmenschen nicht als gleichwertig angesehen, nur eine Dortmunder Kinderbande, die Krokodiler - ihr Kennzeichen ist ein aufgenähtes Krokodil, lernen ihn nach diversen Anlaufschwierigkeiten als Freund und Menschen schätzen und nehmen ihn in die Bande auf. Die anfänglichen Bedenken Kurt könnte auf Grund seiner körperlichen Schranken nicht zu ihnen passen, werden schnell aus der Welt geschafft, als er sich nicht vor einer Mutprobe scheut. Die Krokodiler achten ihn schließlich, auch wenn er nicht wie die übrigen Mitglieder der Vorstadtkrokodile auf Bäumen klettern, mit dem Fahrrad fahren oder schnell laufen kann. Sie lernen über den Rollstuhl hinweg zu sehen und erkennen den Menschen Kurt, der seinen Freunden in manchen Angelegenheiten sogar überlegen ist. Ihm ist die Ausforschung einer Diebsbande zu verdanken.
Dem Autor gelingt es, die Probleme eines behinderten Jungen klar zu schildern und er erweckt bei seinen Lesern Verständnis und Sensibilität für Kurts Handicap. Im Roman wird Kurt dieses Verständnis nur von Kindern entgegengebracht, einige Erwachsene reduzieren Kurt nur auf seinen fahrbaren Untersatz. So wird ihm z. B. der Zugang zur Minigolfanlage verwehrt, da er mit dem Rollstuhl die Bahnen beschädigen würde. Erwachsene werden als hektisch und ruhelos, ihre Welt als aggressiv dargestellt.
Der Roman erschien in den 1970er Jahren, eine Zeit, in der in der BRD ein großer Zuwachs an Gastarbeitern und ein daraus resultierendes Gegeneinanderstoßen unterschiedlicher Kulturen zu verzeichnen war. Max von der Grün scheute nicht davor zurück, diese heikle Angelegenheit in seinen Roman einzubauen.
Auf Grund seiner zeitlosen und brisanten Thematik sollte dieses Buch in keiner Schule fehlen.