Nicht nur ein äthiopischer Prinz kann zeitaktuell und geschichtsbewusst über "Manieren" schreiben, auch im europäischen Adel gibt es noch Autoren, die mehr als bloße Benimm- und Etikette-Bücher verfassen und damit selbst stilbildend wirken wie Monika Gräfin Metternich in ihrem fast schon philosophischen Lebenskunst-Knigge mit dem Titel "Vornehm geht die Welt zugrunde. Vom Geheimnis guten Stils". Die Betonung liegt dabei auf "gut", Stil ist kein ästhetischer Selbstwert wie bei Nietzsches "vornehmen Menschen", sondern an ethisch-mitmenschliche Kategorien gebunden. Allein "vornehm" gehen eben Welt und Mensch zugrunde an kalt-arroganter Lieblosigkeit. Deshalb reicht für Metternich auch nicht der Satz der Franzosen "le style, c'est L'homme" aus, sondern sie bindet den guten Stil mit Aristoteles, Thomas von Aquin und Josef Pieper an die spielerisch als geistigen Tanz präsentierten Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Die "Virtuosität" ihrer Ausübung ist der Stil, auf den es die Autorin ankommt. Da werden viele Beispiele aus ihrer reichen gesellschaftlichen Erfahrung, zumal aus England, aufgegriffen und alle konkreten Fragen der Umgangsformen angesprochen: von der Einrichtung eines Hauses oder einer Wohnung ("my home is my castle"), vom Glatteis des Smalltalks, von Essen, Kleidung, Schenken, Lust und Leidenschaft in Zeiten von "Sex and the City". Gräfin Metternich beobachtet sensibel kleinste Zeichen guten oder schlechten Stils, stellt aber keine absolut geltenden "Regeln" auf. Die gibt es nicht mehr und sie variieren durchaus. Aber das echte Wohlwollen und die Rücksichtnahme auf den Nächsten ist stets Kern des guten Benehmens, das bei der Tugend der Tapferkeit bis zur Hingabe des eigenen Lebens im Einsatz für Werte des Gemeinwohls führen kann (wie bei den geschilderten Nazi-Opfern vor dem Volksgericht Freislers oder den Friedensdemonstrationen in der ehemaligen DDR zur Wendezeit). Am Ende verrät Gräfin Metternich sehr persönlich, dass das letzte und eigentliche Geheimnis jeden wirklich guten Stils die Liebe ist. In ihr gelingt auch der perfekte Tanz vollkommener Harmonie als "Ziel des Stils". Das selber virtuos, stil- und humorvoll geschriebene Buch Monika Metternichs bietet mehr als nur Unterhaltung und Information. Die Tanz- und Tugendlehrerin vermittelt allen, die sich ihrem Gedankenweg anvertrauen, Lesevergnügen und neue Erkenntnis. Nebeneffekt könnte eine Art Anti-Depressivum sein, denn "die sind tapfer, die der Traurigkeit und dem Verdruss widerstehen" (Thomas von Aquin).