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Vormittags die ersten Amerikaner. Stimmen und Bilder vom Kriegsende 1945
 
 
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Vormittags die ersten Amerikaner. Stimmen und Bilder vom Kriegsende 1945 [Gebundene Ausgabe]

Gerhard Hirschfeld , Irina Renz


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Produktbeschreibungen

Lesemomente, Beilage der Süddeutschen Zeitung, 22.3.2005

»Die Aufzeichnungen der Empfindungen geben tiefe Einblicke in das individuelle Erleben des totalen Krieges.«

Marcus Sander, Stuttgarter Zeitung, 25.2.2005

»Eine glänzende Sammlung von Zeitzeugenberichten ... Wer dieses Buch zu lesen beginnt, legt es nicht mehr aus der Hand.«

Kurzbeschreibung

Eine eindrückliche Chronik in Bildern und Dokumenten vom Ende des Zweiten Weltkriegs
Der Zusammenbruch des Dritten Reiches - gesehen durch die Augen der Bevölkerung - Winter und Frühjahr 1945, festgehalten in Tagebüchern, Briefen oder auf Notizzetteln:
Zu Wort kommen sie alle: Soldaten, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, Hausfrauen, Hitlerjungen, Politiker und Nazischergen, ebenso wie prominente Schriftsteller und Künstler.

Über den Autor

Irina Renz war Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchiv Marbach a.N. und Leiterin der Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts London; seit 1990 Leiterin der Archivalischen Sammlungen der Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart. Bisherige Veröffentlichungen: (Hg.) »Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch... - Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkriegs«, 1996; (Hg.) »Enzyklopädie Erster Weltkrieg«, 2003.

Auszug aus Vormittags die ersten Amerikaner von Gerhard Hirschfeld, Irina Renz. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Chronik - März 1945

Alliierte Luftverbände fliegen Tag- und Nachtangriffe gegen deutsche Städte bei abnehmendem Widerstand vom Boden aus. Erfolgreicher Vorstoß der Alliierten an allen Frontabschnitten.
Fortsetzung des U-Boot-Krieges. Die Massenevakuierung von Flüchtlingen aus Ost- und Westpreußen über See wird fortgesetzt.
Mitte März sind noch etwa 700 000 Menschen in KZ-Lagern gefangen.

3. 3. Alliierte Truppen besetzen Trier, Xanten und Krefeld und erreichen den Rhein bei Neuss.

5. 3. Der Jahrgang 1929 wird eingezogen.

6. 3. Beginn der letzten deutschen Offensive (6. SS-Panzerarmee) in Ungarn, sie scheitert bereits nach wenigen Tagen.

7. 3. Die 1. US-Armee erobert Köln. Errichtung eines rechtsrheinischen Brückenkopfes bei Remagen nach Einnahme der unzerstörten Rheinbrücke. Die 7. deutsche Armee im Raum Trier- Koblenz-Köln ist eingekesselt. Sowjetische Truppen dringen südlich von Stettin vor: »Schlacht in Pommern« (OKW-Bericht). Kolberg wird eingeschlossen.

8. 3. Der SS- und Polizeiführer in Italien, Wolff, verhandelt mit den Alliierten in der Schweiz über einen Waffenstillstand für Norditalien.

9. 3. Amerikaner besetzen Bonn und erweitern ihren Brückenkopf bei Remagen. 25000 deutsche Flüchtlinge aus Kolberg über die Ostsee evakuiert. Hitler ordnet die Bildung eines »Fliegenden Standgerichtes« für Wehrmacht und SS »ohne Unterschied des Ranges« an (»Das Gnadenrecht entfällt«).

12. 3. Die sowjetische Armee erobert Küstrin. Schwerer britischer Luftangriff (1000 Flugzeuge) auf Dortmund. Straßenkämpfe im Süden Breslaus.

18. 3. Kolberg kapituliert. Die 8. US-Luftflotte wirft über 4000 t Bomben in der Mitte und im Osten Berlins ab. Beginn der »6. Kurland- Schlacht«: Großangriff der 10. sowjetischen Garde-Armee gegen Stellungen der 18. deutschen Armee. Hitler erklärt gegenüber Rüstungsminister Speer: Wenn der Krieg verloren sei, werde auch das deutsche Volk verloren sein und Was nach dem Kampf übrig bleibe, seien ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten seien gefallen.

19. 3. Hitler erläßt den ersten sog. Nero-Befehl, der die Zerstörung aller »militärischen Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes « vorsieht. Weitere Befehle und Präzisierungen folgen am 30. März und 7. April.

20. 3. Zusammenbruch der deutschen Front westlich des Rheins nach Vereinigung der 3. und 7. US-Armee. »Die große Schlacht um West- und Ostpreußen« (OKW-Bericht) nimmt an Heftigkeit weiter zu. Sowjetische Truppen erobern Braunsberg.

22. 3. Mainz wird von den Amerikanern eingenommen. Die 3. US-Armee dringt bis in den Raum Groß-Gerau vor. Himmler wird als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel abgelöst.

23. 3. Zusammenbruch der deutschen Front im Raum Danzig. Küstrin von sowjetischen Truppen eingeschlossen. Großangriff alliierter Truppen im Raum Wesel erzwingt Rheinübergang.

24. 3. 40 000 alliierte Truppen überqueren (in Anwesenheit Churchills) den Rhein (Beginn der »Schlacht am Niederrhein«). Der deutsche »Volkssturm« wird der Sondergerichtsbarkeit unterstellt.

[...]

[Bild Seite 60] Die Einwohner eines zerstörten Kölner Vororts werden über Feuerwehrschläuche mit Wasser versorgt

Freitag, 2. März, Berlin
Elisabeth Langgässer an Elisabeth Andre
Mein liebstes, bestes Herzlein! Gestern bekam ich Deinen lieben Brief vom 20. Febr. und nahm ihn gleich mit in den Luftschutzkeller. Wir haben jetzt Tag und Nacht Alarme, dazwischen Stromsperre, kein Telefon - und großen Hunger. Gottseidank habe ich die Kleinen bis jetzt immer satt bekommen, obwohl ich manchmal verzweifelte Anstrengungen machte, die Münder zu stopfen. Denn die Kinder sind gesund, schrecklich lebhaft, immer bereit, etwas zu essen, und der Luftwechsel hat natürlich ihren Appetit kolossal angeregt. Jedesmal heißt es nach dem Essen: »und was gibt es noch?!« Reinhold wiegt jetzt ohne Kleider noch ganze 110 Pfund!! Ich selbst habe weniger abgenommen, denn die Köchin kommt ja schon allein durch das Abschmecken in der Küche zu allerlei Häppchen, die sie dazwischen in den Mund steckt. Aber Reinhold! Du glaubst, einen Fakir vor Dir zu haben - das ganze Knochengerüst zeichnet sich ab. Es ist jammervoll anzusehen. [. . .]

[Bild Seite 62] Szene auf dem Frankfurter Bahnhof im Frühjahr 1945: auf der Suche nach Nahrungsmitteln unternehmen die Stadtbewohner Hamsterfahrten aufs Land
© Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart

Dienstag, 6. März, Kiel
Fridolin Müller an seine Frau Mareike in Oldenburg/Oldenburg
Wenn wir die Regierung von 1918 noch hätten, dann könnte man jetzt mit absoluter Sicherheit schon das Ende des Krieges für die nächsten Wochen voraussehen. Aber heute kann man bestimmt erwarten, daß Wehrmacht und Volk bis zum letzten bei der Stange gehalten werden. Ich glaube, daß unsere neue Propaganda für diesen Zweck auch viel geeigneter ist als die bisherige Prahlerei. Daß wir noch in der Lage sind, einen entscheidenden Sieg zu erringen, das glaubte ja doch kaum noch jemand bei unserer augenblicklichen Lage. Solche Phrasen nützen dann also auch nicht mehr und ich fand es darum recht geschickt, daß mittags in dem Bericht zur Lage gesagt wurde, wir brauchten den Feind nicht zu schlagen; wir hätten auch noch gesiegt, wenn es uns gelänge, ihn von den Hauptteilen Deutschlands zurückzuhalten und so Herr im eigenen Hause zu bleiben. Vielleicht werden sie dann doch eines Tages müde und machen Frieden. [...]

[Bild Seite 67] Die 9. US-Panzer-Division nimmt am 7. März die Ludendorff-Brücke über den Rhein bei Remagen nahezu unzerstört in Besitz
© Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart

Samstag, 10. März, Nagold
Tagebuch Elisabeth Dünkelsbühler-Schaible
Lebensmittelrationen in den letzten Wochen stark gesunken. Neuerlich verboten, Gänse, Enten und, ab 1. Juni, mehr Hühner als die Familienkopfzahl zu halten. G. sagt, der Schulunterricht leide immer mehr unter dem Krieg, den Alarmen und den zerrütteten Nerven der Lehrer, von denen viele über das Pensionsalter hinaus sind. Im Turnunterricht gebe es seit Wochen nur noch Spaziergänge am Schlossberg und zur Fuchsfarm, auf denen »Volle Fliegerdeckung« geübt wird und die Schüler sich, ohne Rücksicht auf Verschmutzung, auf den Boden oder in einen Graben werfen müssen.

Donnerstag, 15. März, Kemnath/Oberpfalz
Tagebuch C. F. W. Behl
Gestern und heute haben wir auf zauberhaften Nachmittagsspaziergängen von allen Reizen der lieblichen Umgebung Besitz ergriffen. Man hat nun wieder ein neues Gefühl der Geborgenheit. Freilich drängt der Wind zuweilen das dumpfe Rollen des Geschützdonners der Westfront zu uns herüber, und feindliche Flieger auf ihren Wegen nach Franken, Sachsen oder Thüringen überfliegen unser kleines Städtchen, das aber glücklicherweise keinen Alarm kennt. [...]

Donnerstag, 15. März, Norwegen
Tagebuch Johannes Resch
Der Geschwaderarzt inspiziert das Fjösanger-Lazarett. Bei der anschließenden Besprechung teilt er einen Befehl mit, den er von Oslo erhalten hat und der an alle Kommandos geht. Es sollen Standgerichte gebildet werden, die alle jene Straftaten aburteilen, durch die die Kampfkraft der Truppe gefährdet wird. Die Urteile sollen auf Todesstrafe lauten bei Desertion, Überlaufen und wenn ein Offizier mit seiner Truppe kapituliert. Die Kampfmoral scheint nachzulassen. Wie soll der Soldat noch kämpfen, wenn die Heimat bereits in feindlicher Hand ist? [...]

Donnerstag, 15.März, Kroatien
Gerhard Z. an seine Freundin in Bitterfeld
Auch für uns wird es wieder einmal Sommer werden und die Sonne des Friedens wird über uns scheinen. So wie immer der Kampf in der Natur auftritt und jeder Schwächling im Kampfe um das Licht erliegt, so haben auch wir uns stark zu halten, damit wir nicht zu denen gehören, die zur Seite geschoben werden. Wenn wir uns das Geschehen der Kriegsjahre betrachten, so kommen wir zu dem Schluß, daß unsere Feinde nicht zu den stärksten zählen. Ganze Erdteile und Länder rennen nun schon 5 Jahre gegen ein Land an, und was haben sie an Erfolgen erzielt? Es ist wohl schmerzlich, daß heute zu einem großen Teil das Kriegsgeschehen sich auf unserem eigenen Boden abspielt, und daß so viele deutsche Menschen leiden und darben müssen. Ob dies aber von entscheidender Bedeutung sein wird, liegt allein an dem Volke selbst. Was nützen uns die besten Waffen, wenn die, die sie führen sollten, zu Schwächlingen würden.

Dienstag, 20. März, Fallingbostel
Lothar G. an seine Frau in Berlin
Liebe kleine Frau! Immer noch Fallingbostel, also die Möglichkeit Post zu erhalten. Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Herrgott, wann hat diese Sch . . . einmal ein Ende? Um Dir nicht das Herz noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon sein wird, will ich Dich mit der Schilderung unseres Dahinvegetierens verschonen. Wenn man uns im Einsatz nicht brauchen kann, weil es uns anscheinend an allen Fronten zu gut geht, dann soll man uns doch, verdammt, auf Urlaub schicken oder ganz entlassen.[...]

Dienstag, 20. März, Köln
Tagebuch Robert Grosche
Gestern abend tauchte plötzlich Oberbürgermeister Adenauer auf, der von den Amerikanern nach hier geholt worden ist; wir sprechen über die mögliche Einrichtung einer stadtkölnischen Verwaltung.

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