Wer Sprache liebt, wird diesen Roman mögen, soviel steht fest. Mal zupackend, mal verträumt lyrisch wird hier die persönliche Welt einer Physikerin beschrieben, die zwar ein paar Naturwissenschaftler-typische Macken haben mag, ansonsten aber ganz und gar aufnahmefähig, -bereit und -willig für Stimmungen ihrer Umwelt ist. Die Astrophysikerin Harriet, verheiratet, ein Stiefsohn, trifft nach vielen Jahren ihre ehemals angeschwärmte Jugendliebe wieder. Obwohl inzwischen beide verheiratet sind, ist Harriet so nachdrücklich in ihrer Aufmerksamkeit, dass es schließlich zu einer Affaire kommt. Bald wissen alle Bescheid, die betrogene Ehefrau, der betrogene Ehemann, doch trotzdem können die (wieder) Liebenden nicht voneinander lassen und ein nicht ganz geheimes Märchen beginnt, das durchaus auch als Märchen erzählt wird ... bis ein unerwarteter Schicksalsschlag alles ändert.
Aber das eigentlich Speltaküläre dieses Romans ist ist Art und Weise, wie die Dinge beschrieben werden, so dass man meint, die Farben riechen und die Gerüche sehen zu können. Ein beliebig herausgegriffenes Beispiel möge genügen:
"Die Köchin marschierte ein, einen Korb mit dampfenden Brötchen in der einen Hand, in der anderen eine silberne Platte, über deren Rand feuerrote Krebsscheren und Antennen ragten." S. 82
Anschaulich, sinnlich, ein reines Lesevergnügen!