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Der Vorleser
 
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Der Vorleser [Taschenbuch]

Bernhard Schlink
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (562 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Diogenes (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257229534
  • ISBN-13: 978-3257229530
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,2 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (562 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 109 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Vorleser
OA 1995 Form Roman Epoche Moderne
In dem zuerst in den USA erschienenen Roman, in dessen Mittelpunkt eine seltsame Liebesgeschichte steht, setzt sich Bernhard Schlink – auch aus rechtsphilosphischer Sicht – mit der Judenvernichtung im »Dritten Reich«, der Schuldfrage und dem Generationenkonflikt in den 1950/60er Jahren kritisch auseinander.
Inhalt: Der 15-jährige Gymnasiast Michael Berg lernt Ende der 1950er Jahre in Heidelberg Hanna Schmitz kennen. Die 20 Jahre ältere Straßenbahnschaffnerin kümmert sich um ihn, als ihm, an Gelbsucht erkrankt, auf dem Nachhauseweg übel wird. Wieder gesund besucht er sie und erlebt mit ihr seine erste Liebe. Bald entwickelt sich während der heimlichen Treffen in ihrer Wohnung ein Ritual, das der zunächst rein körperlichen Beziehung eine seelische Dimension gibt: Michael muss Hanna, über deren Vergangenheit er nur wenig erfährt, stets vor dem Liebesakt vorlesen.
Eines Tages verschwindet Hanna spurlos aus der Stadt. Erst Jahre später sieht er sie als Jurastudent in einem Auschwitz-Prozess wieder, wo sie mit anderen ehemaligen KZ-Aufseherinnen unter Anklage steht. Im Gerichtssaal findet Michael die lang gesuchte Erklärung für Hannas ungeschickte Verteidigung und für viele ihrer Handlungen: Sie ist Analphabetin, verheimlicht dies aus Scham auch im Prozess und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihre Mitangeklagten, die ihr die Hauptschuld für ein grauenhaftes, schriftlich dokumentiertes Verbrechen zugeschoben haben, erhalten nur geringe Freiheitsstrafen.
Michael, der sich mitschuldig fühlt, schickt ihr regelmäßig Kassetten ins Gefängnis, die er mit Weltliteratur besprochen hat. Anhand der Kassetten lernt Hanna autodidaktisch lesen und schreiben und beginnt sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander zu setzen. Nach 18 Jahren Haft nimmt sie sich kurz vor ihrer Entlassung das Leben.
Wirkung: Mit seinem Roman gelang Schlink ein internationaler Sensationserfolg, wie ihn die deutsche Gegenwartsliteratur seit dem Erscheinen R Der Blechtrommel von Günter Grass nicht mehr erlebt hatte. Der Vorleser, der in 27 Sprachen übersetzt eine Millionenauflage erreichte und mit zahlreichen Preisen (u. a. Prix Laure Bataillon, Ehrengabe der Heinrich Heine-Gesellschaft) ausgezeichnet wurde, prägte wesentlich das Deutschlandbild im Ausland. C. H.

Pressestimmen

"Bernhard Schlinks Vorleser ist neben der Blechtrommel von Günter Grass wahrscheinlich der international erfolgreichste Roman eines lebenden deutschen Schriftstellers. Eine unaufdringliche Metapher für deutsche Verstrickungen, wie überhaupt Schlink es meisterhaft versteht, das bewußtlose Schweigen der Deutschen in den fünfziger und sechziger Jahren durch seine atmosphärisch dichte Prosa zum Reden zu bringen. Das Buch ist gescheit, geschickt gebaut und sensibel für unausgesprochene Gefühle: eine im Deutschen seltene Verbindung." (Der Tagesspiegel) "Dieser Höhenflug ist einzigartig: Hanna Schmitz und Michael Berg - wer hätte gedacht, daß die beiden einmal zu den berühmten Liebespaaren der Weltliteratur zählen würden? Bernhard Schlinks Der Vorleser markiert für die deutsche Literatur eine Zäsur. Erstmals seit der Blechtrommel und Siegfried Lenz' Deutschstunde gibt es wieder einen Weltbestseller made in Germany, ein Buch also, aus dem Amerikaner und Japaner, Franzosen und Inder ihr Deutschlandbild beziehen." (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)


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144 von 165 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen klug, 26. August 2006
Von 
Sabine E. Poebing "poebee" (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Zehn Jahre hatte ich es im Schrank, bevor ich es kürzlich innerhalb von zwei Tagen gelesen habe.

Die klare, konservative Sprache lassen keinen Raum für Schonung oder Ablenkung von der Handlung und den dazugehörigen Gedanken (aus der Retrospektive). Und genau das macht dieses Buch für mich aus. Ich begann es zu lesen nur wenige Stunden, nachdem ich ein sehr "sprachlastiges" Buch beendet hatte. Die Wirkung war enorm: als käme man aus dem Märchenwald zurück in die Fabrik.

Es dauerte einige Seiten, bis ich genau das zu schätzen lernte und als so gewollt erkannte. Dieses Buch soll/kann jeden erreichen, der es liest. Relativ kurze, klare Sätze, distanzierter Erzählstil, stets realistisch und sachlich, der keinen Unterschied macht zwischen einer erotischen Szene im Bad oder einer Prozesschilderung.

Der erste Teil handelt von der Liebesbeziehung des Erzählenden zu einer zwanzig Jahre älteren Frau- Hanna. Der zweite Teil setzt sich mit juristischen und philosophischen Aspekten des Hintergrundes auseinander. Die eigentliche Geschichte wird eher nebenbei und nur insoweit nötig im Raffer zu Ende erzählt.

Wie ein roter Faden ziehen sich die Themen Schuld/Gewissen, Verrat und Würde durch das ganze Buch. Angefangen bei Hannas Verantwortung im Liebesverhältnis zu dem Minderjährigen über seine phantasierten Gründe für das abrupte Ende bis hin zur Auseinandersetzung mit Hannas SS-Vergangenheit und den Auswirkungen des Analphabetismus auf wichtige Lebensentscheidungen.

Immer wieder sind es philosophische und psychologische Einschübe, die zum Anhalten und Nachdenken anregen, ohne dass man es beim Lesen als störend empfinden würde. Auch das - scheint mir - ist beabsichtigt.

Ein klug geschriebenes Buch, das ganz ohne aufklärenden Eifer auskommt und vielleicht gerade deshalb dieses Ziel erreicht.
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32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Liebe, Schuld und Verrat - ein differenzierter Blick, 30. Oktober 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
In den 1950er-Jahren lernt der Erzähler Michael Berg als Fünfzehnjähriger die gut zwanzig Jahre ältere Hanna kennen, mit der ihn eine intensive sexuelle und - zumindest von seiner Seite - eine jugendlich-verklärte, überschwängliche Liebesbeziehung verbindet. Eine zu große Nähe wird jedoch durch Hanna abgeblockt, die sich häufig für Michael unverständlich, aggressiv und herrisch verhält. Im Verlauf ihrer geheimen Treffen wird es ein Teil des Liebesspiels, dass Michael Hanna Bücher vorliest, bevor sie sich lieben. Die Beziehung endet jäh, als Hanna ohne jedes Abschiedswort aus der Stadt und aus Michaels Leben verschwindet.

Jahre später begegnet der Erzähler - inzwischen Jurastudent - Hanna im Gerichtssaal wieder: Sie ist dort als ehemalige KZ-Aufseherin der Beteiligung an der Ermordung jüdischer Frauen während des Nationalsozialismus angeklagt!

Im Verlauf des Prozesses, bei dem sich Hanna erneut allgemein unverständlich verhält und sich selbst über Gebühr belastet, erkennt Berg den Grund vieler bisher unerklärlicher Verhaltensweisen in ihrem Leben. Sie ist Analphabetin und nimmt zur Vertuschung dieses Sachverhalts auch ihre ständigen Fluchten, die Kränkung anderer Menschen und letztlich sogar eine unangemessen hohe Haftstrafe in Kauf. Er findet jedoch nicht die Kraft, in einem Gespräch mit Hanna oder wenigstens mit dem Vorsitzenden Richter diese - womöglich strafmildernde - Erkenntnis anzusprechen, so dass Hanna zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird.

Im Laufe dieser Haftzeit nimmt Berg irgendwann wieder die Rolle des Vorlesers ein, in dem er Hanna besprochene Tonbandkassetten ins Gefängnis sendet. Als Hanna begnadigt wird, ist er die einzig verbliebene Bezugsperson in ihrem Leben und trifft - etwas widerwillig und von der engagierten Gefängnisleiterin genötigt - Vorbereitung für Hannas Leben "draußen". Doch dazu kommt es nicht mehr...

Bernhard Schlink ist es in diesem Roman gelungen, sehr unterschiedliche und polarisierende Themen (Analphabetismus, sexuelle Beziehungen mit Minderjährigen und natürlich die Frage von persönlicher Schuld und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen) in angemessener und kluger Weise zu verbinden.

Seine Sprache ist dabei distanziert und dennoch teilnehmend, er bezieht nicht eindeutig und mit moralischem Zeigefinger Stellung, sondern lässt eine differenzierte Sicht auf eine schuldig gewordene Frau zu, ohne diese selbst als ein Opfer der Umstände zu entlasten. Diese Gratwanderung ist meiner Ansicht nach hervorragend gelungen.

Kein einfaches oder "sympathisches" Buch, sondern ein gut komponiertes, zum Nachdenken anregendes und überdurchschnittlich gut geschriebenes Stück Literatur, für das ich gerne eine Leseempfehlung ausspreche.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Einfache wie mehrschichtige Geschichte, 2. Januar 2011
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
"Der Vorleser" hat mehrere Stränge:
- eine Liebesgeschichte: ein Pubertierender aus dem Erb-Akademikertum Heidelbergs verliebt sich um ca. 1959 herum in die ostpreußischstämmige einfache und distanzierte, ältere Nachbarin Hanna
- eine Vergangenheitsbewältigungsthematik und eine moralphilosophische Erläuterung
- die Geschichte einer persönlichen Schwäche, die jemand nicht eingestehen kann - und sie ist damit doch eigentlich im Buch nicht die einzige.

Entsprechend würde ich unterschiedlich werten.
Die Liebesgeschichte ist konzentriert und in allen Facetten bis zum Verrat ausgeleuchtet. Fünf Sterne. Auch das Thema, dass es Schwächen geben kann, vor denen man lieber fortläuft, ist gut behandelt: Vier bis fünf Sterne.
Das Moralphilosophische - darf ich etwa jemandem aus der Schlinge helfen, wenn die Person selbst es nicht möchte? - ist für mich unbeholfen und phantasielos gelöst. Das sind eher Schlinks eigene, ganz andere Punkte, persönliche und Juristen-Nöte.

Die NS-Vergangenheitsbewältigungsthematik wird teils geradezu platt ausgesprochen (und klingt nach Eigenschau und Selbstmitleid).

Werte dies lesende Lehrer/innen! Bitte _nicht_ dieses Buch einfach als Zeitgeschichteunterricht einsetzen. Die Verharmlosungstendenz ist unübersehbar. Als Botschaft kommt leider unterschwellig - ungewollt, nehmen wir einmal an -, dass die Morde in ganz Europa irgendwie aus persönlichen Leidensgeschichten der Täter erklärbar wären. Absurd. Auch Moral und Bildung sind zwei Paar Schuhe, wie diverse kalte Edel-Sadisten 1933-45 gut zeigen konnten (vgl. hierzu Michael Burleigh u.a.)

Mehr scheint Schlink auch ohnehin das Leben seines eigentlich trägen, erbakademischen Alter Egos zu interessieren, der ziemlich viele autobiografische Züge trägt, vielleicht aber auch einfach eine ödipale Wunschprojektion sein könnte (nein übrigens, ich habe keine Sekundärliteratur gewälzt oder auch nur den Film gesehen)

Fazit: als Studie zu Schuld, Vergangenheit, Moral einfach nur gescheitert, als Liebesgeschichte freilich gelungen. Drei bis vier Sterne.
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