Irgendwo in den Achtzigern in Deutschland: Punk beginnt, die Runde zu machen. Und so kommt er auch an den im Präteritum berichtenden Ich-Erzähler des Buches, der gemeinsam mit seinen Freunden Vornefett, Melzer und Properski all die obligatorischen Stationen durchläuft, die halt dazugehören: der (schwierige und mit Missgeschicken gepflasterte) Einstieg in die Szene, die ersten Konzerte, Alkohol, Drogen, die erste Band, die erste Liebe ... oder alles zusammen auf ordentlichen Partys.
Die Geschichte verläuft etwas ziellos, hat also keinen Plot im engeren Sinne, und ist somit vielleicht eher eine Art Stationslauf durch die Jugend. Das hat aber keinesfalls gestört; auch ohne klassischen Spannungsbogen hat es massig Spaß gemacht, der Geschichte zu folgen. Was an Spannung fehlt, wird durch viel Liebe für skurrile Situationen und Witz ausgeglichen. Dazu ist der Schreibstil sehr interessant und munter: irgendwo zwischen Trash und Anspruch, angereichert durch viele bildliche Vergleiche und Verweise, die nicht nur auf einen gewissen Bildungsgrad des Autors schließen, sondern auch die Freude erkennen lassen, mit der Jan Off hier am fabulieren war. Dazu gibt es an der einen oder anderen Stelle die unterschiedlichsten Zitate aus einigen (D-)Punk-Songs.
Der einzige Kritikpunkt war für mich das Ende des Buches. Denn eigentlich gibt es überhaupt kein Ende, stattdessen hört die Geschichte einfach auf. Und das ziemlich abrupt. Was allerdings zu verschmerzen ist, da sie von Vornherein nicht auf das große Ende ausgelegt ist.
Letztendlich ist »Vorkriegsjugend« ein wirklich gelungener Roman, sowohl für Viel- als auch für die üblichen Nichtleser (»Normalerweise mag ich ja keine Bücher - aber dieses hier ...«). Für jeden, der Punk ist, mal Punk war oder sich einfach für das Thema interessiert. Für jeden, dem Selbstironie im Hinblick auf die Szene oder seine eigene Entwicklung nicht fremd ist ...
Meiner Meinung nach ist »Vorkriegsjugend« jedenfalls wesentlich besser als das im Ansatz vergleichbare »
Dorfpunks« von Rocko Schamoni.