So unglaublich viel passiert natürlich auf 109 Seiten nicht, aber was Max Kruse da sehr autobiographisch schreibt, ist ein kleines Juwel. Heute mag uns das Personal sehr seltsam vorkommen, und doch sind das schon interessante Typen. Martin, der unbedingt nach China will und ständig irgendwelche fernöstlichen Weisheiten von sich gibt, Günther, der mit der lateinischen Sprache aufgewachsen ist und sie mit 14 schon geradezu perfekt beherrscht, und natürlich ständig damit um sich wirft ist schon interessant, wie sich früher der Mangel an Fernsehen auswirkte.
Christl ist Vierteljüdin, ihre Zimmernachbarin Carla ist Jüdin, das wirkt sich ebenso auf die Geschichte aus wie der Fakt, dass den Jungen auf jeden Fall Arbeitsdienst und Soldatentum bevorstehen. Aber hier kommt keine Geschichtsstunde mit dem Zeigestock, sondern ganz einfache Jugenderinnerung, in die diese Geschichte einfach hineinwirkt. Und wie Kruse diese erste Liebe beschreibt, die unglaublichen Gefühle, die sein Alter Ego da durchmacht, die so vorsichtig und zart ausgedrückt werden müssen, immer in ihrer zeittypischen Moral gefangen. Die Gefühle selbst sind aber absolut zeitlos. Ganz viel Magie, die Max Kruse da entfaltet.
Tolles, aber recht ungewohntes Jugendbuch. Nichts mit Action, nichts mit Kitsch, einfach tolle Lektüre.