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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gegen das Vergehen der Zeit anschreiben,
Rezension bezieht sich auf: Vorabend: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Wenn ich den Text selbst hätte in Reinschrift abschreiben wollen, hätte ich wohl den Rest meines Lebens nur noch mit diesem Buch zugebracht", sagt Peter Kurzeck in weiser Selbstbescheidung angesichts seines jüngsten Romans "Vorabend", der es auf stolze 1022 Seiten bringt. Und weil es auch für jeden Verlagsmitarbeiter ein unzumutbares Unterfangen gewesen wäre, das mit unendlich vielen handschriftlichen Zusätzen versehene Manuskript in den Computer einzugeben, diktierte Kurzeck es im vergangenen Sommer rund zwei Monate lang in öffentlichen Veranstaltungen des Frankfurter Literaturhauses rund zwei Dutzend Freiwilligen, zumeist Kurzeck-Fans, in die Tasten. Entstanden ist mit "Vorabend" nichts weniger als ein Meisterwerk, das den fünften Teil seiner auf zwölf Bände angelegten autobiografisch-poetischen Chronik "Das alte Jahrhundert" bildet. Und auch die Titel der weiteren, noch in Planung befindlichen sieben Bände sind schon gleichsam als Nachwort am Schluss von "Vorabend" aufgelistet.Ein Besuch mit Frau und Tochter Carina bei Freunden in Frankfurt-Eschersheim im Herbst 1982 gibt dem Erzähler Gelegenheit, sich zu erinnern und einmal mehr gegen das Vergehen der Zeit anzuschreiben, was sein Lebensthema ist. So beschwört er die Jahrzehnte vor dem Verschwinden von manch Vertrautem herauf und reichert seine Schlaglichter auf die Entwicklung der Bundesrepublik von den vierziger bis in die achtziger Jahre mit Erinnerungen an die eigene Vergangenheit an. 1946 war Kurzeck dreijährig mit seiner Mutter, aus Böhmen vertrieben, im oberhessischen Staufenberg bei Gießen gelandet, wo er sich mit dem Heimischwerden sehr schwer tat. "Eigentlich sollte das Buch kürzer werden, aber ich bin froh, die 1000 Seiten geschrieben zu haben; man muss die ganze Gegend erzählen, die Zeit", sagt Kurzeck und tut es auch, lustvoll und wortmächtig. Er erinnert an die Menschen in Oberhessen, an Kleinbauern, Handwerker und Gießereiarbeiter, die Oberdorfwitwen und all die anderen alten Leute und ihre Geschichten. Und an die Kinder, "als wir alle noch Kinder waren", die alten Kaufläden, (die Auslagen in der dörflichen Metzgerei etwa stehen einem plastisch vor Augen), die Flohmärkte und Flüchtlingsgeschichten. Staufenbergs Ehrenbürgerwürde soll ihm, so heißt es, wenn das Parlament mitspielt, noch in diesem Jahr angetragen werden. Sie ist genauso überfällig wie der Büchnerpreis für einen Autor, den nicht wenige schon in einem Atemzug mit Marcel Proust nennen. Vielleicht werden ja dereinst Literatur-Touristen auf Schauplatzsuche die Gegend um Staufenberg und auch um Gießen ebenso unsicher machen wie es Schmidt-Jünger noch heute in der Bargfelder Heide auf Arno Schmidts Spuren tun. Kurzecks "Vorabend" ist der ideale Rückzugsort für Literaturliebhaber; 40 Euro lassen sich derzeit kaum gewinnbringender anlegen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Peter Kurzeck - jedes einzelne Wort aller seiner Bücher sind lesenswert.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Vorabend: Roman (Gebundene Ausgabe)
Peter Kurzeck ist in den letzten Jahren vielfach ausgezeichnet worden. Aber kaum jemand kennt diesen wunderbaren Erzähler, mit seiner Sprache, die wie gemalt daherkommt.Wenn jemand etwas über den Inhalt dieses Werkes wissen möchte, der möge hier fündig werden: http://www.stroemfeld.de/de/buecher_V_608_1/ Oder auch in der FAZ oder der ZEIT. Es müsste ein Anreiz geschaffen werden, diesen Erzähler lesen zu wollen. Hier ein Ausschnitt aus einem Interview: ... Aber auf dem Dorf so zu leben, war schwierig. Ich hatte zum Beispiel immer die Angst: Eines Tages hast du alle Bücher gelesen. Also die im Dorf sowieso. Die hatte ich bald alle gelesen. Und zwar nicht nur einmal, sondern wie man das von Lieblingsbüchern kennt. Die liest man manchmal so oft hintereinander, bis man plötzlich merkt, jetzt kannst du nicht mehr. Deshalb hatte ich immer Angst vor dem Tag, an dem ich alle Bücher gelesen hätte. Wie hältst du das dann aus auf dem Dorf? Eben weil da nicht unbegrenzt viele waren. Ich habe als Kind natürlich alles gelesen, was mir in die Hände kam ... ... Aus diesem Dilemma, dieser Enge hat mich dann ein Bus der Leihbücherei der Amerikaner gerettet. Das war so ein riesiger, ganz runder amerikanischer Bus. Der sah ein bisschen aus wie ein Fisch, wie ein größer dunkelblauer Wal. Der kam alle drei Wochen im Dorf vorbei und hat mich durch die Bücher, die er mitgebracht hat, im wahrsten Sinne des Wortes gerettet. Ich war so begeistert, dass ich die anderen Kinder dazu anstiften wollte, sich auch Bücher auszuleihen, aber denen wurde das verboten. Manche Eltern wollten einfach nicht, dass ihre Kinder lesen. Die sollten nicht auf dumme Gedanken kommen und stattdessen arbeiten gehen. Außerdem denken Bauern immer, sie werden irgendwie übers Ohr gehauen. Gerade weil es nichts kostet. Aber eines Tages kam dann der lang ersehnte Bus und die Bibliothekarin, die mit ihm mitgefahren ist, sagte mir: Jetzt können wir dein Dorf nicht mehr anfahren. Das war für mich schrecklich, da ist wirklich eine Welt für mich zusammengebrochen. Und wie dann der Bus nicht mehr kam, hatte ich die gleiche Angst wieder, dass ich irgendwann nichts mehr zu lesen hätte oder allem überdrüssig sein würde. Doch dann ging ich in Gießen aufs Gymnasium. Und da kam irgendein Mitschüler und nahm mich nach dem Unterricht mit ins Amerikahaus. Das war damals eine beschlagnahmte Villa mitten in der Gießener Innenstadt. Da konnte man einfach reingehen. Schon das ist eine ganz besondere Erfahrung, dass da ein ganz fremdes Haus ist, und man ist ein Kind und geht da einfach hinein. Innen war eine riesige Bibliothek, riesige Räume bis unter die Decke voll mit Büchern und durch die Doppeltür konnte man in das angrenzende Zimmer sehen, das ebenfalls voller Bücher war. Und da war ich zum ersten Mal in meinem Leben sicher, dass die Bücher mein ganzes Leben lang reichen werden. Das vollständige Interview: http://faustkultur.de/kategorie/literatur/gespraech-mit-peter-kurzeck.html Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Immer schneller die Zeit",
Von
Rezension bezieht sich auf: Vorabend: Roman (Gebundene Ausgabe)
doch dieser Text wird bleiben für kommende Generationen von Lesern. Er ist oft von so atemberaubender Strahlkraft, dass man innehalten und den Worten nachlauschen und den Bildern nachschauen muss - dann steht die Zeit still. (Wie geht das mit dem Hörbuch? immer abstellen dazwischen ?) Man kann diesen Text gar nicht überschätzen ! (wie dies ein anderer Autor in einem Interview behauptet hat).
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