In den Zeiten des "Herr-der-Ringe-Booms" wird es wieder Mode, für Autoren mit Prädikaten wie "würdige Nachfolge für Tolkien" oder "Herr der Ringe des neuen Jahrtausende" zu werben, obwohl meiner Meinung nach kaum einer es verdient hat. Dieser hier hat es verdient.
Auch Fetjaine ist ein Geisteswissenschaftler, der erst in den 40ern das Schreiben für sich entdeckt hat, ich meine, er hat sich Zeit gelassen mit diesem Roman, und der Leser sollte sich ebenfalls Zeit lassen, um die stimmungsvolle Dichte, den Detailreichtum und die außerordentlich überzeugende und vollständige Charakterdarstellung entsprechend zu würdigen. Nicht Helden sind Gegenstand des Buches, die sozusagen schon mit dem Schwert in der Hand auf die Welt kamen, wie man es leider in vielen Fantasyromanen "von der Stange" trifft, sondern Persönlichkeiten, die durch die Außerordentlichkeit der äußeren Umstände gezwungen werden oder sich gezwungen sehen, ihr bisheriges Leben aufzugeben und Außerordentliches zu tun.
Die Welt ist, genau genommen, die unsere, "vor Artus", also irgendwann im 5. Jhd., aber märchenhaft verfremdet. Sie ist von Elfen und Zwergen bevölkert (und natürlich von Menschen), und jede Rasse hat einen Talisman, der ihre Stärke ausmacht. Die Probleme beginnen, als den Zwergen ihr Talisman, ein überaus magisches Schwert, abhanden kommt und ihr Verdacht sich auf einen Grauen Elfen richtet... Eine Gruppe aus Menschen, Elfen und Zwergen zieht also los, um der Sache auf den Grund zu gehen und einen "Weltkrieg" zu verhindern. So viel zur Handlung, die wesentlich komplexer und "politischer" ist, als sich hier ausführen ließe.
Es ist sicher kein Roman für Leute, die gerne "Splatter" lesen (quellende Gedärme und rollende Köpfe), sondern für Leute, denen es auf Atmosphäre ankommt, auf das "Zwischenmenschliche" (-zwergische, -elfische). Gesagt werden muß allerdings, daß dies der erste Roman einer Trilogie ist, deren zwei andere Bände auf deutsch noch nicht erschienen sind, und es ist keine trilogie, die sich sehr gut in Einzelbände zerlegen ließe. Das Ende ist kein Ende, sondern erst der Anfang zu weiteren Entwicklungen, und läßt den Leser "in die Tischkante beißend" zurück...
Aber wer "Herr der Ringe" im Kino gesehen hat, ohne die Bücher zu kennen, kennt das Phänomen ja ;0))
Fazit: Also, wenn man schon irgendjemanden mit Tolkien vergleichen muß, dann doch bitte ihn!