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In Ystad und im Umland übergießt ein scheinbar Wahnsinniger Tiere mit Benzin und steckt sie in Brand. Eine ältere Frau wird auf einer Wanderung in einer abgelegenen Schlucht bestialisch ermordet, und eine von Lindas ältesten Freundinnen verschwindet von einem Tag auf den anderen. Auch wenn ihr Vater es nicht wahr haben möchte: Zwischen all diesen Ereignissen besteht ein Zusammenhang. Es bedarf akribischster Ermittlungen und einer Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Kurt und Linda Wallander, bevor der dickköpfige Kommissar bereit ist, an eine Verschwörung größeren Ausmaßes zu glauben.
Vor dem Frost ist ein Roman des Übergangs: Noch hält Kurt Wallander das Heft in der Hand und ist nicht bereit, seine Tochter als Polizistin zu akzeptieren. Linda muss um jeden Zentimeter Freiheit kämpfen, sowohl in privater wie in beruflicher Hinsicht. Dieser Kampf wird mit harten Bandagen geführt, wobei Mankell die Glaubwürdigkeit seiner Figuren gelegentlich sehr strapaziert. Auch die Handlung des Romans wirkt teilweise etwas konstruiert -- der Autor hat eindeutig ein Anliegen, und es gelingt ihm nicht immer, daraus eine spannende Geschichte zu machen.
Für Wallander-Freunde bietet Vor dem Frost einige schöne Reminiszenzen: Linda erinnert sich immer wieder an Vorfälle aus ihrer Kindheit, die den Lesern aus früheren Mankell-Romanen geläufig sind. Auch der angestrebte Vergleich zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus ist ein durchaus lohnenswerter Stoff, der besonders durch die psychologisch genaue Schilderung der Antagonisten an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wir können jedenfalls gespannt sein, wie sich Linda Wallander mausert, wenn sie aus des Vaters Schatten herausgetreten ist und als Polizistin selbstständig wird. --Hannes Riffel
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Zweitens bereitet Mankell offensichtlich einen Generationswechsel vom alternden, zu fetten, saufenden, ewig gestressten, Diabetes geplagten und mit allem hadernden Kurt zu seiner unsicheren, aufbrausenden und Selbstmord gefährdeten Tochter Linda hin. In diesem Buch hat Linda ihr Debüt als zukünftige Polizeiaspirantin. Sie sucht über lange Strecken ihre Freundin Anna und hat das unbestimmte Gefühl, dass diese in irgendeiner Form mit den Vorkommnissen in Ystad zu tun hat. Sie fädelt sich zunächst gegen den Wiederstand ihres Vaters, in die Ermittlungen ein. Nachdem Kurt Wallander einige Zusammenhänge besser erkennt lässt er sie an seiner Seite mitarbeiten.
Ehrlich gesagt, Kurt Wallander als Einzelkämpfer hat mir persönlich besser gefallen. Besonders die Passagen in denen Linda ihre Freundin Anna sucht, fallen eher zäh aus. Mankell deutet sehr versteckt eine Parallelbegabung zu ihrem Vater an. Aber bevor Anna mit ihrem Vater gleich ziehen kann, muss Henning Mankell sich noch viel einfallen lassen.
Der Plot insgesamt erscheint mir etwas konstruiert. Warum die Fanatiker in Kurt Wallanders Revier einfallen wollen, ist mir beim Lesen des Buches an keiner Stelle richtig klar geworden. Eine diffuse Abneigung gegen Abtreibungen ist mir zu wenig für einen derartigen Rundumschlag.
Insgesamt jedoch, ein echter Mankell. Seine präzisen Schilderungen psychischer Hintergründe und sozialer Verhältnisse sind unerreicht. Es lohnt sich also, das Buch zu kaufen und wenn auch nur, um zu erfahren, wie es weiter geht, auch nach dem Frost.
Der Roman ist spannend geschrieben, auch wenn er durchaus einige Längen aufweist. Aber in diesem Roman geht es auch um mehr als um den Krimi ansich. Es muss auch Linda Wallander, die hier noch als Polizeianwärterin auftritt, sowie Stefan Lindman (bekannt aus „Die Rückkehr des Tanzlehrers" eingeführt werden. Es ist, wie schon geschrieben, aus dieser Sicht ein Übergangsroman, der auch das Ziel hat, verschiedene Figuren aus verschiedenen Romanen zusammenzuführen, sonst hätte Mankell am Ende zwei Reihen gehabt, die er hätte schreiben müssen. Einmal rund um die Wallanders und einmal rund um Lindman (schließlich wollte man auch hier wissen, wie es weitergeht mit Stefan Lindman).
Interessant an diesem Roman ist auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter, insbesondere die Konflikte und die Sorgen, die sich Kurt um seine Tochter macht, nun umso mehr, als Linda in Kurts Revier ebenfalls Polizistin wird.
Als Mankell-Fan gebe ich dem Buch fünf Sterne, weil ich das Buch, auch insbesondere wegen Mankells Schreibstill wirklich klasse finde, dennoch gebe ich einigen Recht, die Schreiben, dass Mankell sich wieder etwas steigern sollte. Es ist nicht unbedingt Mankells bester Roman, wie ich finde. Mankell sollte nicht zum Schnellschreiber mutieren, wie es beispielsweise Donna Leon ist. Ihre Brunetti-Romane sind sicher nicht schlecht, aber werden immer weniger anspruchsvoll und sind zum Ende hin sogar richtig schlecht geworden. Ich wünsche mir, dass das Mankell nicht passieren wird.
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