Aus der Amazon.de-Redaktion
Es ist eine kleine, fest gefügte Welt, in die Johannes Hösle 1929 in Erolzheim hineingeboren wird. Der Vater arbeitet in der eigenen Werkstatt als Schuhmachermeister, die Mutter versorgt ihre zahlreiche Kinderschar, der Geldsegen im Hause ist nicht gerade üppig. Mit hellwachem Blick erkundet Johannes seine Umgebung und berichtet mit verschmitztem Unterton über das alltägliche Leben in den 30er Jahren in einem oberschwäbischen Dorf.
In der Schule sind Tatzen und Hosenspanner nicht ungewöhnlich, um die wilde Bande zu bändigen. Die Großmutter holt einmal im Monat ihre Rente von zehn Mark auf der Post ab. Fährt hin und wieder mit lautem Geknatter ein Auto durchs Dorf, erregt das schon ziemliches Aufsehen. Die Grenzen der dörflichen Welt sind eng gesteckt. Ein Ausflug nach Ulm ist für Johannes eine Sensation.
Das starke, allgegenwärtige Gerüst im Tages- und Jahresablauf gibt die katholische Kirche. Ein Sonntag ohne Messebesuch -- undenkbar. Und ein Tag ohne Gebet verursacht ein schlechtes Gewissen. Fällt das schon unter die Rubrik "lässliche Sünde" und wird mit Fegefeuer bestraft, oder handelt es sich bereits um eine "Todsünde"? Für einen kleinen Jungen ist das nicht leicht auseinander zu halten.
Johannes Hösle, der heute als emeritierter Professor für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität in Regensburg tätig ist, beschwört noch einmal seine Kindheit aus der naiven, kindlichen Sicht des kleinen Jungen herauf, dem der Schalk aus den Augen blitzt. Eine Zeit, die heute kaum mehr erinnert wird und unwiederbringlich der Vergangenheit angehört.--Manuela Haselberger
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"Am schlimmsten war es für die katholischen Missionare, wenn sie in Afrika irgendwo hinkamen, wo schon evangelische dagewesen waren. Die erzählten zwar auch ab und zu etwas von Jesus, aber ganz bestimmt nichts von der Heiligen Maria."
Dieses Buch ist ein wundervolles Buch, bei dem man nur so vor sich hin schmunzelt und doch immer wieder ins Grübeln kommt. Was Johannes Hösle hier gelingt, ist ein so atmosphärisch dichtes Bild des Lebens in einer rein katholischen Gegend in Südbayern, dass es einem schon manchmal den Atem verschlagen kann. Er macht dies immer liebevoll, niemals lächerlich, aber doch so humorvoll, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.
Um was geht das Buch? Johannes Hösle erzählt auf einem autobiografischen Hintergrund von seiner Kindheit in einem oberschwäbischen Dorf. Als Sohn des Schusters macht er so in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg seine eigenen Erfahrungen mit Glauben, Leben und Kirche. Dabei gerät er beim Gang durch das Kirchenjahr ins Fabulieren und Ausschmücken, aber gerade das macht dieses Buch so einzigartig. Immer hatte ich das Gefühl, direkt mit dabei zu sein in dieser scheinbar so vergangenen Welt, die doch noch gar nicht so lange her ist.
Jeder Evangelische wird seine Freude an diesem Buch haben und wird danach so manches über seine katholischen Geschwister gelernt haben. Und Katholiken können bekanntermaßen eh gut über sich und ihre eigene Kirche lachen und ihr trotzdem treu sein, so wie der Lausbub, der dieses Buch schrieb. --Christian Frühwald
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Pressestimmen
Selten hat jemand das gängige Vorurteil gegen Professorenprosa eindrucksvoller widerlegt. Hätte der Autor nicht ziemlich viele unschöne Wortwiederholungen stehen lassen, man könnte sogar von einem kleinen Meisterwerk sprechen.
»Ein hervorragender Erzähler. [...] Eine Sinne und Fantasie ansprechende Welt.«
Rudolf Grimm in ›Frankfurter Neue Presse‹
»Ein Ton, der manchmal an Ludwig Thoma erinnert. [...] Die Beschreibung des Landlebens, die Erinnerung an eine schöne Kindheit, die es so nicht mehr geben kann, ist lustig und kein bisschen schmalzig geraten.«
Stefanie Holzer in ›Wiener Zeitung‹
Ein raffiniert schlichtes Lob des Herkommens.
Wohltuend unterscheidet sich seine Geschichte nicht nur sprachlich von anderer Erinnerungsliteratur, die seit dem Bestseller ›Herbstmilch‹ von Anna Wimschneider über die Verlage hereinbrach. Sie verdeutlicht auch, wie weit vor nur 70 Jahren ein Dorf bei Memmingen von einer Metropole wie Berlin entfernt war.
Ein bemerkenswertes Buch.