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Vor der Tagesschau, am späten Sonntagnachmittag
 
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Vor der Tagesschau, am späten Sonntagnachmittag [Gebundene Ausgabe]

Erwin Koch
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 221 Seiten
  • Verlag: Ammann (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3250103535
  • ISBN-13: 978-3250103530
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 14 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 996.144 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Erwin Koch
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Vor der Tagesschau, an einem späten Sonntagnachmittag - wenn die Fassaden Risse bekommen und unter der feiertäglichen Langeweile die Gewalt hervorbricht - naht der Augenblick, in dem die Erkenntnis unausweichlich ist.
Von diesen Augenblicken erzählt Erwin Koch, wie in jener Geschichte vom -Mensch Paul-, des in Texas hingerichteten Mörders Paul Jernigan, der seinen Körper der Wissenschaft vermachte. Jernigan konnte nicht ahnen daß dieser hiermit eine Auferstehung erfahren würde: Er ist im Internet als digitaler Anatomieatlas des menschlichen Körpers zu besichtigen.

carpe.com

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch nicht die Reportagen des zweimaligen Egon-Erwin-Kisch-Preisträgers Erwin Koch. Er berichtet von seltsamen Schicksalen, Machenschaften und Mißständen. Der Mensch Paul etwa war ein zum Tode verurteilter Mörder, der seinen Körper der Wissenschaft vermachte und den man nun u.a. im Internet bestaunen kann. Koch blendet in die Reportage von Pauls letzten Stunden immer wieder Sequenzen aus seinem mißlungenen Leben ein -- das ganze wirkt ein wenig sensationslüstern. In einer anderen Reportage beschäftigt Koch sich mit dem Brandanschlag von Solingen und erzählt das Schicksal der überlebenden Mutter der getöteten Kinder, die Deutschland liebt, auch wenn es ein merkwürdiges Land ist. Was Mevlüde Genc nicht versteht, weshalb sie vom Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande erhält. Die Frau aus Anatolien ist ein Versuch, sich in den Kopf der verzweifelten Mutter hineinzuversetzen, doch muß dies zwangsläufig an der Oberfläche bleiben, denn ein solches Schicksal kann von einem Reporter allenfalls "vermessen" und nacherzählt werden. Ganz und gar moralinsauer ist die Reportage Der Wolf ist tot, in dem Heerscharen von Menschen im Schweizer Jura einen Wolf jagen, der einige Schafe gerissen hat. Koch moralisiert, wie viel mehr Schaden doch der Homo sapiens im Gegensatz zu diesem armen Canis Lupus anrichtet. Em Ende wird das tote Tier von Journalisten belagert und fängt an, in Verwesung überzugehen.

Vielleicht ist Erwin Koch ein verhinderter Dichter, denn einige Reportagen schrammen knapp an erzählender Prosa vorbei. Man kommt nicht ohne die Vokabel "kafkaesk" aus, wenn man die "Schlacht im Vorgarten" kennzeichnen will. Der ebenso renommierte wie senile Ameisenforscher Kutter verwandelt sich in eine Ameise und schildert die Erlebnisse unter seinesgleichen. Kochs Verwandlungs-Trick, den er am Schluß als seinen Traum verkauft, um den Lesern das komplizierte Leben von Ameisenvölkern nahezubringen, wirkt reichlich an den Haaren herbeigezogen. Gut sind Kochs Reportagen dann, wenn er knapp und ohne mit dem Zeigefinger zu fuchteln sein Thema verfolgt, aber das kommt leider nur selten vor. Weshalb namhafte Journalisten ihre Beiträge immer wieder zwischen zwei Buchdeckeln pressen lassen, verwundert jedesmal von neuem. --Matthias Kehle


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Literarische Reportagen 6. September 2004
Von zueribueb TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
In "Vor der Tagesschau, an einem späten Sonntagnachmittag" nimmt Erwin Koch Meldungen aus den Medien auf, und verfasst diesbezüglich längere Reportagen und Geschichten. Dabei bildet er nicht nur die Realität ab, sondern er bearbeitet die Themen so individuell, so dass er eine ganz eigene Gattung schafft, die zwischen Journalismus und Literatur steht. Ein paar von seinen Geschichten sind kleine literarische Meisterstücke. Er sprengt die Gattung der einfachen Reportage, da er diese auf mehreren Ebenen aufbaut, z.B. indem er die Gegenwart in Bezug zur Vergangenheit setzt, eine allgemeine Thematik in Beziehung zum Individuum bringt oder die Realität an einer erfundenen Gegenwelt (Traum des Ameisenforschers) spiegelt, oder er lässt die Steineklopferin in Ich-Form berichten. Auch sprachlich sind die Geschichten sehr gelungen, selbst wenn Erwin Koch etwas dazu neigt, komplizierte Satzgebilde mit vielen Einschüben zu produzieren.
Es geht um eine Hinrichtung in Huntsville/Texas, einen Nazikriegsverbrecher, einen kriminellen Bankverwalter im Luzerner Hinterland und um einen schwierigen Erbfall, den ausländerfeindlichen Brandanschlag in Solingen, eine bolivianische Steineklopferin in Zeiten der globalisierten Wirtschaft, Folterer, einen Ameisenforscher auf Abwegen, den Fleischmarkt in Brünn und den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes, die seldwylische Asylpolitik einer Aargauer Gemeinde, die Jagd nach einem zurückgekehrten Wolf, Genttechnik und um einen Flirt zwischen Humanethnologen.
Meisterhaft ist die erste Geschichte "Der Mensch Paul", in der Erwin Koch die Hinrichtung eines Mörders beschreibt. Er erläutert dabei nicht nur den Tötungsprozess, sondern erzählt auch die trostlose Geschichte von Paul. Skurril ist schliesslich, dass dieser seinen Körper der Wissenschaft vermacht hat, um nach seinem Tod in kleine Scheiben zerschnitten zu werden, damit ein menschlicher Atlas geschaffen werden kann, der im Internet abrufbar ist. Witzig ist auch die letzte Geschichte, wo er einen Flirt zwischen einem Professor und einer Assistentin unter Verwendung des humanethnologischen Vokabulars beschreibt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Enttäuschend 3. Oktober 2009
Format:Broschiert
Ich habe keine Ahnung wie Herr Koch an die Bewertungen auf seinem Klappentext gekommen ist, aber es kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein! Von sprachlicher Brillianz ist nun wirklich nichts zu spüren. Die Geschichten sind langatmig und teilweise ausgesprochen konfus aufgebaut. Man muss sich - trotz des Genres der Kurzgeschichte - durch einen Haufen langweiliger Details zwingen, bevor es an den Höhepunkt der Geschichte geht, der leider in den meisten Fällen eher einem kleinen Häufchen verbrannter Erde gleicht als einem wirklichen Gipfel!
Fazit:
Brauchbar um Tatsachen nachzulesen - eventuell
Unterhaltung - nein!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
langweilig 29. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
Dieses Buch ist keineswegs feinfühlig oder leise, wie auf dem Klappentext behauptet, sondern meiner Meinung nach nur sensationslüstern, teilweise blutrünstig, ansonsten langweilig. Die hinter den Kapiteln steckenden Nachrichten kann man mitunter nicht mal mehr erahnen (merkwürdige Ameisengeschichte), außerdem maßt der Autor sich an, zu verstehen, was in den Köpfen schwer schicksalsgebeutelter Menschen vorgeht. Es wirkt auch in keiner Weise recherchiert, sondern holpert sprachlich wie ein ausgedachter Schulaufsatz.
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