"Vorübergehend Wien" ist ein Buch, das man eher von einer erfahrenen Schriftstellerin erwartet hätte. Katharina Geisers erste Prosa nach langer journalistischer Tätigkeit nimmt sofort gefangen. Man erlebt mit allen Sinnen mit, was die Menschen, die sie beschreibt, erleben, und man gerät hinein in die Welt des Wiens der ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts.
Katharina Geisers Hauptfigur ist die wohl autobiographisch inspirierte Julia Fink. Sie forscht auf unzähligen Reisen nach Wien ihrer eigenen Familiengeschichte nach.
Und sie lässt mit einer ganz eigenen Bruchstücktechnik" eine Stadt wiederauferstehen, eine Kultur, die nach dem Anschluß an das Reich" der Vernichtung der Juden und einer ganzen intellektuellen Schicht wohl für immer verschwunden ist.
So wie es die Autorin wohl Katharina Geiser beabsichtigt hat, werden die getöteten oder längst verstorbenen Menschen lebendig, und das ganze politische und kulturelle Panorama einer verlorenen Zeit steht wieder auf.
Auf das nächste Buch dieser Autorin darf man gespannt warten.