Wer dick ist, hat schlechte Gewohnheiten - davon ausgehend entwickeln die Autoren ihren Ansatz für eine Diät, die keine Diät im eigentlichen Sinne ist, sondern die vielmehr auf die Änderung dieser schlechten Gewohnheiten abzielt. Deswegen enthält das Buch keine Ess- oder Sportpläne sondern einen vier-Wochen-Plan mit einer Aufgabe für jeden Tag, durch die man festgefahrene Handlungsweisen aufbrechen und neues lernen soll. An sich eine gute Idee, aber leider grauenvoll umgesetzt:
- Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der "Theorie" hinter der Methode. D.h. man liest die ersten 86 Seiten nur, wie toll die keine-Diät-Diät ist und wie schlecht alle anderen Diäten sind. Dazu werden, auch später im Praxisteil, ständig Ausschnitte aus britischen Zeitungen sowie Erfahrungsberichte gebracht, die die keine-Diät-Diät über den grünen Klee loben. Trauen die Autoren ihrer eigenen Methode etwa nicht?
- Die Wiederholung der Erfolgsberichte diverser britischer Frauen ("ich bin ja jetzt so glücklich") schaffen einen Erfolgsdruck beim Leser, ebenso wie die Aufgaben, die man Tag für Tag angehen soll; die Autoren warnen, die Ergebnisse werden nicht so gut ausfallen wie erwartet, wenn man die Aufgaben nicht sofort erfüllen kann. Diese sind jedoch z.T. so gestellt, dass man auf jeden Fall Schwierigkeiten mit ihnen hat. Den Fernseher einen Tag lang auszulassen, ist noch kein Problem, aber was stellen sich die Autoren unter einer Maximierung der Spontaneität vor? Wahrscheinlich sollte man dieses vier-Wochen-Programm im Urlaub machen, aber wer hat schon so viel Zeit?
- Noch dazu kommt, dass sich das Buch an einigen Stellen selbst widerspricht bzw. genau die Fehler macht, die es bei anderen Diäten anprangert, siehe Leistungsdruck.
- Störend ist ebenfalls, dass sich die Autoren oft auf den wissenschaftlichen Unterbau ihrer Methode berufen. Dafür ist das Buch aber reichlich unwissenschaftlich geschrieben; wo auf die Untersuchungen Bezug genommen wird, geschieht das meist, indem einer der Autoren mit seinem Doktor-Titel genannt wird.
- Und zuletzt bauen die Autoren ein meiner Meinung nach gefährliches Ziel auf. Schlanke Menschen sind schlank, weil sie gute Gewohnheiten haben, sagen sie, und stellen also Schlanke als grundsätzlich glücklich, erfolgreich, zufrieden mit sich und dem Lauf der Dinge dar, Schlanke haben im Allgemeimnn keine Probleme, sind flexibel und kommen mit jeder Situation zurecht. Also sind dickere Menschen grundsätzlich unglücklich, erfolglos und führen ein tristes Dasein, während Schlanke ein ideales Leben führen? Mit solchen Pauschalisierungen und Extremen bekommt man es ständig zu tun, vor allem bei der Einschätzung des eigenen Charakters. Die kleinen Fragebögen, die man (mit Punktebewertung) hin und wieder ausfüllen muss, lassen keine gemäßigten Antworten zu. Es gibt stets nur die Möglichkeit zwischen Schwarz und Weiß.
Alles in Allem: Der Ansatz kann sich bewähren, aber die Ausarbeitung in diesem Buch halte ich für eine Katastrophe. Finger weg!