der es leider total an Tiefgang fehlt.
Die vielversprechende Kurzbeschreibung dieses Buches ließ stark darauf hoffen, auf einen konfliktgeladenen Roman zu stoßen. Jeglicher Konflikt, der aus dem Stoff entstehen hätte können, wurde zwar von der Autorin angerissen, nicht aber spannend, sondern wie sich von selbst auflösend ' viel zu einfach ' weggehaucht.
Niemand, der dieses Buch kauft, wird erwarten auf eine '"Happy-Peppy-Geschichte"' zu treffen. Am Schluss bringt man die rosarote Brille fast nicht mehr vom Gesicht, da sämtliche Steine, die der Protagonisten Kamryn im Weg lagen oder im Weg liegen hätten können, sich mehr oder weniger von alleine in Luft aufgelöst haben.
Ich bin richtig enttäuscht, dass Dorothy Koomson es total verabsäumt hat, ihre Protagonisten vor richtige Probleme zu stellen ' die Geschichte ist deswegen für mich total unglaubwürdig und hätte vom Thema her wesentlich mehr hergegeben:
Die 32-jährige Kamryn adoptiert mehr oder weniger überraschend das Kleinkind ihrer verstorbenen Freundin Del, mit der sie seit 2 Jahren zerstritten war und mit der sie sich unter anderem auch nicht mehr aussprechen konnte. Das alleine aufzuarbeiten würde bei mir schon ein Buch hergeben.
Abgesehen davon, dass Kamryn eine Farbige ist (was ich ' warum auch immer ' erst im 2.Drittel des Buches herausbekommen hab....) und das Ziehkind hellhäutig. Zumeist bringt dies schon das eine oder andere Problem bei der Adoption mit sich. In zwei bis drei Szenen kommt es zur Sprache ' Probleme gibt es aber keine wirklichen.
Welches Kleinkind, das mit 5 Jahren ihrer Mama beim Sterben zusieht, nebenbei noch von Opa und Stiefoma misshandelt wurde, trägt dies so mit Fassung wir die kleine Tegan? Dieses Kind ist braver, verständnisvoller, vernünftiger und erwachsener als jedes andere Kind, das nicht so etwas erlebt hat. Keine Psychose, kein Verweigern. Sie akzeptiert sämtliche neue Weggefährten, Orte usw. Sie gewinnt auf der Stelle eine Unmenge an neuen Freunden, alle lieben dieses Kind und auch die Männer an Kamryns Seite werden sofort als neue Daddys geliebt und akzeptiert.
Dass es auch beruflich und finanziell für Kamryn keine lesbaren Schwierigkeiten gibt, nimmt dem Buch noch die letzte Hoffnung auf Spannung. Jede 'normale' berufstätige Mutter (noch dazu in einer leitenden Position) weiß, was es heißt, dies zu vereinbaren. Diese Mütter haben aber den Vorteil sich mind. 9 Monate darauf vorbereiten zu können. Bei Kamryn öffnen sich wirklich von alleine sofort Tür und Tor: verständnisvoller Arbeitgeber, Geld zwar knapp, aber keine wirklichen Einschränkungen, Arbeitszeit lässt sich super vereinbaren und andere Mütter bieten sich sogar noch von selber an, das Kind am Nachmittag unentgeltlich zu betreuen. Schlaraffenland ahoi!
Im Endeffekt sind die 500 Seiten hauptsächlich von einer Frau geprägt, die sich zwischen zwei absolut liebenswerten Männern nicht entscheiden kann ' schade um die Hauptstory.
Ich empfinde das Buch als Rohfassung ' so als würde man sämtliche Zutaten für ein Gericht in einen Topf werfen, den Herd aber nicht einschalten.
Mrs. Koomson, warum haben Sie nichts aus der Geschichte gemacht? Alles, was dazu nötig gewesen wäre, haben sie erwähnt, aber nicht umgesetzt.
3 Sterne erhält dieses Buch von mir trotzdem, weil Dorothy Koomson einen lesenswerten, flüssigen und liebevollen Schreibstil war. Einfühlsam beschäftigt sie sich mit dem Rahmen der Geschichte. Ich befürchte, die Autorin hatte einfach Angst, dass wenn sie auf alle die Probleme, die sich bei so einer Story ergeben könnten, eingehen würde, das Buch im tragischen Chaos enden könnte.
Ihre Protagonisten umschreibt und beschreibt sie bildlich und liebenswert. Man liebt am Ende jeden einzelnen! Das macht das Buch lesbar. Auf jeden Fall muss man keine Angst davor haben, mit den Nerven fertig zu sein, wenn man das Buch ausgelesen hat.