Das Wichtigste an diesem Film ist, daß er das Wichtigste an Wim Wenders Filmen völlig verschweigt, beiseite lässt, nicht zeigt, nicht hinterfragt: Wenders` bahnbrechend großartiges Gefühl für Räume und Orte. Es gibt zu wenige oder zu kurze Ausschnitte aus seinen Münchner Hochschulfilmen. Es gibt keine Spurensuche nach wichtigen Orten, Plätzen, Kneipen, Straßen aus der Zeit, die hier angeblich abgegangen werden soll. Es gibt keine emblematischen Songs aus den frühen Jahren zu hören - "Kinks" zum Beispiel- es gibt keinerlei Bezug zu Wenders` Texten aus jener Zeit. Es gibt kaum Gespräche mit wichtigen Mit-Studenten des sogenannten Münchner Hochschul- A- Kurses, dem Wenders angehörte. Mit einem Wort: es gibt keinerlei dezidierte Suche nach Wenders`Ästhetik, nach der Entstehung seines unverwechselbaren Stils. Dies ist kein dringend notwendiger Essay über das künstlerische Heranwachsen eines der speziellsten Regisseure, die es in Deutschland je gab. In diesem Film ist nichts zu spüren, was dem, der ihn gemacht hat, außer überflüssigem Personality-Quark über Wenders unter den Nägeln brennen würde. Es ist ein stockkonventionelles Homemovie, ein Biopic in TV- Formatierung, eine Auftritts- Show à la "das war Ihr Leben, Herr Wenders". Und dazu sieht man den Meister mit Rucksäckchen auf Hiddensee herumspazieren. Wenn man bedenkt, an welchen Schauplätzen der Welt Wenders in seinem Leben schon Filme gemacht hat, dann ist das von Touristen überlaufene Hiddensee wahrlich das Letzte, worauf man als typisch charismatischen Wenders-Ort käme. Wenders auf Zwergenniveau runter gekitscht. Der Film ist ein Diplomfilm der Filmakademie Baden-Württemberg - und man fragt sich, wie derart Unbedarftes an Hochschulen durchgehen kann? Hoffentlich hat Wenders bei dieser Verkleinerung seines Werks am Ende per Einmischung in die Sache nicht selbst die Finger im Spiel gehabt. Den zweiten Stern nur deshalb, weil sich wenigstens ein paar der interviewten Weggefährten/Weggefährt-Innen dem offenbar abgefragten Ilustrierten- Quatsch, "wie war Wim Wenders denn damals so?" erfolgreich und manchmal sehr amüsant zu entziehen vermögen.