Bereits diese ungewöhnliche Widmung, die Olenin Terek seinem Roman voranstellt, machte mich neugierig "Von Wladiwostok bis zur Estremadura" zu lesen. Ich kann von mir behaupten, bereits einige Bücher zur Zukunft Europas und seinem Verhältnis zu Amerika gelesen zu haben. Bisher indessen geland es keinem davon meine Vorstellung von der Zukunft unseres Kontinents grundlegend in Frage zu stellen. Tereks "Political Fiction" hingegen, könnte eine echte Alternative zum derzeit entstehenden Europa sein, das lediglich den westlichsten Zipfel Eurasiens umspannt.
"Von Wladiwostok bis zur Estremadura" ist ein anspruchsvoller, äußerst gut zu lesender Roman, der in Moskau und Berlin zur Zeit der Reichstagsverhüllung von 1995 spielt. Es werden zwei nebeneinander herlaufende Handlungsstränge geschildert wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist zum einen Jemeljan Bohun, ein stolzer ehemaliger Kosakenoberst, der in feuriger Rede einem jungen Freund seinen Traum eines Eurasischen Reiches schildert.Darin entwirft er ein Gegenstück zur Europäischen Union, die für ihn eine Vereinigung amerikanischer Vasallen ist. Über Deutschland sagt er beispielsweise folgendes.
"Die Umwandlung von Großdeutschland in Gutdeutschland scheint gelungen. Operation Hirntod geglückt, Patient ist fun."
Andererseits ermittelt die reizende Kommissarin Iph Merck in einer Serie von Brandanschlägen, die die bedeutendsten Gebäude Eurasiens in Schutt und Asche gelegt hatten. Im Zuge ihrer Ermittlungen lernt sie den Wissenschaftler Dr. Wolf Markant kennen, der an einem Projekt arbeitet, in dem die Wirkung "Personen aktivierender Worte" (PAW) erforscht werden soll.
Diese beiden scheinbar separaten Handlungen laufen schließlich in einem packenden Finale zusammen, das vor brillant formulierter Symbolik nur so strotzt.
"Von Wladiwostok bis zur Estremadura" kann all denjenigen wärmstens empfohlen werden, die Europa einmal aus eurasischer und nicht wie gewohnt aus atlantischer Perspektive betrachten möchten.