Es ist unglaublich, dass ein einzelner Mensch das erleiden konnte, was Frau Buber Neumann widerfahren ist. Sie erlebte die Weimarer Republik, die Radikalisierung der Jugend, die Aktivitäten der KPD (z.B. hatte man Dimitroff längere Zeit bei ihr in Potsdam versteckt ), die Intrigen in der KPD, das Exil einer Kommunistin, das (unfreiwillige) Exil in der UdSSR, die Verhaftung ihres Mannes, des Kommunisten Heinz Neumann, dann ihren Leidensweg in sowjetischen Gefängnissen und Lagern. Der erste Band ihrer Erinnerungen endet mit der Verhaftung im berüchtigten Hotel Lux in Moskau. Nach Veröffentlichung hat es viele Versuche gegeben, Frau Buber Neumanns Erinnerungen in Zweifel zu ziehen, sie gar als Lügnerin darzustellen ( Prozeß gegen ihre Bücher durch die KPD in der Bundesrepublik, Krawtschenko-Prozeß in Paris), sie hat das alles in Würde überlebt. Dafür bekam sie später das Prädikat einer "kalten Kriegerin" angehängt. Hat jemals jemand plastischer und trauriger das Scheitern der deutschen Arbeiterbewegung im Jahre 1933 dargestellt ? Da zeigt sie sehr deutlich ihre Sympathien für die einfachen Mitglieder von KPD und SPD, besonders auch mit dem KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, der vom Moskauer "Sozialfaschismus"-Kurs überrollt wird. Kaum jemand hat sein Scheitern so menschlich, so plastisch dargestellt. Auch die Angst im Hotel "Lux", wo immer mehr Emigranten verschwinden, wo Heinz Neumann als Aussätziger behandelt wird, lässt sie förmlich aufleben. Dabei kommen einige Zeitgenossen nicht gut weg - eben jene, die dann gegen ihre Bücher vorgehen wollten. Auch wenn in den Büchern Ungenauigkeiten und Irrtümer vorhanden sind (z.B. Theorien über den Kantoner Aufstand oder den Tod Willy Münzenbergs), bleiben sie doch einzigartige Zeitdokumente.