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Von Menschen und anderen Tieren: Abschied vom Humanismus
 
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Von Menschen und anderen Tieren: Abschied vom Humanismus [Gebundene Ausgabe]

John Gray , Alain Kleinschmied
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 245 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1. Aufl. (Juni 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608946101
  • ISBN-13: 978-3608946109
  • Originaltitel: Straw Dogs, Thoughts on Humans and Other Animals
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 257.864 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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John Gray
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»…ein so eleganter wie provokanter philosophischer Angriff auf den haltlosen Fortschrittsglauben des Westens uns seinen selbstgerechten Lösungsfetischismus in Politik und Kultur.« --Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung, 15.03.2010

Kurzbeschreibung

Das bisher provokativste Buch eines der wichtigsten Kritiker moderner Ideologien

In John Grays bisher provokativstem Buch rechnet er schonungslos mit dem Humanismus ab. Der Mensch ist für ihn Homo rapiens geblieben, ein verblendeter Ausbeuter der Natur und seiner eigenen Gattung. Es ist Zeit, den Humanismus zu verwerfen, der die Natur und uns selbst zu Tode »kultiviert«.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Andre
Format:Gebundene Ausgabe
John Grays Werk ist eine klare Kritikschrift gegen zwei zentrale Standpunkte des Humanismus: sein Fortschrittsglaube und sein auf den Menschen gerichtetes Weltbild. Für einen leidenschaftlichen Aufklärer und Anhänger des Humanismus ist es für mich selbstverständlich mich auch mit Gegenpositionen zu beschäftigen. Dies ist zumeist außerordentlich erhellend und führt öfter auch zu interessanten Modifikationen der eigenen Sichtweise. Eher selten aber passiert es, dass die eigenen Positionen so stark ins Wanken kommen, dass sie von Grund auf erschüttert werden. Genau dies ist mir bei der Lektüre dieses Buches widerfahren! Vom inhaltlichen Standpunkt her gebe ich daher diesem Werk eine Bestnote: John Gray besticht durch außerordentlich genaue Beobachtungsgabe und durch sehr breit gefächertes Wissen um menschliche Kulturen (sowohl geografisch als auch historisch).
Vom Stil her bleibt mir aber dennoch ein Kritikpunkt: der Schreibstil wirkt nicht immer flüssig und zuweilen sogar umständlich. Dies kann natürlich auch an der Übersetzung liegen, aber meine Bewertung gilt eben der deutschen Fassung.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Der Humanismus wird von seinen Vertretern als Höhepunkt der geistigen Entwicklung der Menschheit gefeiert. Zudem gilt er ihnen als eine Position, die sich zwangsläufig aus dem kritischen Gebrauch der Vernunft ergeben müsse. Nach Einschätzung des englischen Philosophen John Gray ist er hingegen das Endstadium der europäischen Religionsgeschichte. In dieser Eigenschaft, so betont Gray, trage der Humanismus die Hauptverantwortung für die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und stelle eine der größten Gefahren der Zukunft dar.

In der Regel sind Humanisten davon überzeugt, mit der modernen Wissenschaft im Einklang zu stehen. Deren Versuch, sämtliche Phänomene der Wirklichkeit auf natürliche Ursachen zurückzuführen, scheint unweigerlich in eine Haltung zu münden, die ihrem Weltverständnis nach naturalistisch, ihrer normativen Orientierung nach humanistisch ist.

Gray zufolge zeigt sich bei genauer Betrachtung indessen, dass der Humanismus noch weniger mit der Wissenschaft zu vereinbaren ist als das Christentum. Seit dem 19. Jahrhundert habe die Forschung zahlreiche Erkenntnisse zusammengetragen, die demonstrierten, wie eng der Mensch in die Natur eingebunden sei und wie wenig er sich von seinen tierischen Verwandten unterscheide. Von Darwin wüssten wir, dass die Menschheit durch Evolution entstand, von der Zoologie, dass Denken und Bewusstsein bei Tieren weitverbreitet sind, von der modernen Psychologie, dass beides in unserem eigenen Leben kaum zählt, von der Hirnforschung, dass wir vermutlich weder ein "Ich" noch einen freien Willen besitzen.

Damit sei der Naturalismus dem Humanismus in allen wesentlichen Punkten entgegengesetzt. Während der Naturalismus den Menschen zu einem belanglosen Zufallsprodukt der Evolution mache, stelle der Humanismus ihn in den Mittelpunkt der Welt. Während der Naturalismus den freien Willen in Frage stelle, mache der Humanismus ihn zum Kern seines Menschenbildes. Während der Naturalismus die Bedeutung der Vernunft relativiere, erhoffe der Humanismus sich wahre Wunder von ihr. Während der Naturalismus das Leben als sinnlosen Wechsel von Freude und Leid ansehe, fordere der Humanismus uns auf, an den Fortschritt zu glauben.

Diese Gegensätze machen für Gray deutlich, dass der Humanismus nicht aus der Wissenschaft entstanden sein kann. Seine geistigen Wurzeln seien vielmehr im Christentum zu finden. "Der Humanismus ist keine Wissenschaft. Der Humanismus ist eine Religion. Er ist ein postchristlicher Glaube daran, dass wir eine Welt aufbauen können, die besser ist als jede, in der Menschen bislang gelebt haben. Im vorchristlichen Europa ging man ganz selbstverständlich davon aus, die Zukunft werde wie die Vergangenheit sein. Es mochte zwar neue Erkenntnisse und Erfindungen geben, aber an den Grundlagen ethischen Handelns würde sich im Wesentlichen nichts ändern. Die Geschichte des Menschen betrachtete man als eine Abfolge von Zyklen, der kein allumfassender Sinn innewohnt. Die Christen dagegen fassten die Menschheitsgeschichte im Sinne einer Erzählung von Sünde und Erlösung auf. Der Humanismus überführt diese christliche Erlösungsdoktrin in das Projekt, die gesamte Menschheit zu emanzipieren. Die Idee des Fortschritts ist der ins Säkulare gewendete christliche Glaube an die Vorsehung" (S. 13).

Wer das Christentum wirklich überwinden wolle, müsse, so schließt Gray, die humanistischen Illusionen aufgeben.

Dazu gehöre die Überzeugung, die objektive Bedeutungslosigkeit des Lebens lasse sich durch menschliche Sinnstiftungen wirksam kompensieren. Der Erfahrung von Leid, Schmerz und Tod seien solche Bemühungen in der Regel nämlich nicht gewachsen. "Am schlimmsten ist das Leben eines Menschen nicht, wenn es tragisch, sondern wenn es ohne Bedeutung ist. Die Seele ist gebrochen, doch das Leben schleppt sich weiter hin. ... Was bleibt, ist nur Leid. Der tiefste Schmerz ist nicht in Worte zu fassen" (S. 115).

Darüber hinaus gelte es sich von der Vorstellung zu lösen, es gebe eine dem Menschen angemessene Lebensform. Für ein zwiespältiges und innerlich zerrissenes Wesen sei dies eine Unmöglichkeit. "Wir sehnen uns nach Sicherheit, sind aber schnell gelangweilt; wir lieben den Frieden, neigen aber zur Gewalttätigkeit; wir haben eine Schwäche fürs Denken, hassen und fürchten aber die Verunsicherung, die es auslöst. Es gibt keine Lebensweise, die alle diese widersprüchlichen Bedürfnisse befriedigen könnte" (S. 131).

Unumgänglich sei auch der Verzicht auf den Gedanken, die Vernunft könne uns in ethischen Fragen zuverlässig leiten. "Heute liegt für jeden auf der Hand, dass Ungleichheit schlecht ist; vor einem Jahrhundert war allen klar, dass homosexuelle Liebe schlecht ist. Ansichten zu Fragen der Moral sind nicht nur mit starken Emotionen verknüpft, sondern auch oberflächlich und in höchstem Maße zeitgebunden. ... Sobald das Meinungsklima sich ändert, wird der heutige egalitäre Konsens einem neuen Dogma weichen, und man wird wieder genauso überzeugt sein, dass es die unwandelbare moralische Wahrheit verkörpert. ... Gerechtigkeitsideen sind so zeitlos wie die Hutmode" (S. 117).

Vor allem aber müsse der Fortschrittsglaube verabschiedet werden. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt sei zwar real, aber ethisch bedeutungslos. Er schaffe ebenso viele Probleme wie er löse.

Der moralische und politische Fortschritt dagegen sei ein Wunschtraum. Die Geschichte zeige, dass es auf diesen Gebieten nicht zu dauerhaften Veränderungen komme. "Zweifellos wird es in der Zukunft freiheitliche Gesellschaften geben, so wie es sie in der Vergangenheit schon gab. Sie werden aber selten vorkommen, und üblich werden weiterhin Spielarten von Anarchie und Diktatur sein" (S. 137).

Gerade diese letzte, scheinbar stärkste Zumutung, betrachtet Gray als einen Segen, habe der Fortschrittsglaube ja nicht allein den Kommunismus, sondern auch den Nationalsozialismus hervorgebracht und der Welt damit unermessliches Leid bereitet. Hitlers Vorstellung, die Menschheit mit wissenschaftlichen Methoden läutern und durch Eugenik in eine strahlende Zukunft führen zu können, sei eine direkte Anknüpfung an das Denken der Aufklärung gewesen (S. 108).

Gray hofft nicht darauf, die Mehrzahl der Zeitgenossen für einen nüchternen Realismus gewinnen zu können. Schließlich gehöre es zum Wesen des Menschen, sich Illusionen zu machen (S. 45; 98). Es sei aber viel gewonnen, wenn man zu Illusionen greife, die weniger schädlich seien als der Humanismus. Heraklit, der das Weltgeschehen als ein Spiel betrachtete und Zhuangzi, für den es ein Traum war, hätten gezeigt, wie man sich im Leben einrichten könne, ohne vom Menschen und der Zukunft Unmögliches zu erwarten.

Grays Buch ist zu essayistisch und kurz, um eine sorgfältige Begründung dieser Thesen zu erlauben. Es muss mit der gleichen Erwartung gelesen werden, wie die Schriften Montaignes, Nietzsches oder Ciorans. Wer dazu bereit ist, wird ihm eine Fülle von Anregungen entnehmen können.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die letzte Illusion 29. November 2010
Von Dr. R. Manthey #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Heute noch im Urzustand der menschlichen Gesellschaft lebende Völker verehren Tiere wie Götter. Davon ist der moderne westliche Mensch bereits weit entfernt. Er ersetzte nicht nur seine vormals verschiedenen Sparten-Götter durch einen einzigen, sondern erhob sich auch letztlich über ihn. Nun ist er selbst Gott oder glaubt es zumindest, macht sich die Natur scheinbar zum Untertan und schöpft sogar genetisch neues Leben.

Doch steht der Mensch tatsächlich über allem? Der Autor dieses Buches bezweifelt dies. Er bestreitet, dass sich der Mensch wesentlich vom Tier unterscheidet und glaubt nicht an die Theorie vom freien menschlichen Willen. Nun könnte man meinen, dies sei eine philosophische Diskussion ohne praktische Konsequenzen. Doch das ist sie nicht, denn die praktischen Folgen der von Gray bezweifelten modernen anthropozentrischen Geisteshaltung spüren wir in der Respektlosigkeit gegenüber Tieren und der Natur als Ganzem, die über kurz oder lang auf uns zurückschlagen wird.

Dass der Mensch keinen freien Willen besitzt, zeigen neue Forschungsergebnisse. Vielmehr werden die meisten seiner Entscheidungen im Unterbewusstsein vorbereitet oder getroffen. Und diese Vorgänge entziehen sich einer willentlichen Steuerung. Ebenso ist die Intelligenz auf diesem Planeten nicht deshalb auf den Menschen allein beschränkt, weil er sie bei anderen Lebewesen nicht zu sehen vermag. Scheinbar primitive Tiere wie Ameisen, Bienen oder Termiten lösen beispielsweise komplizierte Probleme in ihrem Universum sicherer und effektiver als Menschen das in ähnlichen Fällen in ihrer Welt zustande bringen.

John Gray versucht diese für den auf sich fixierten Menschen unangenehmen Wahrheiten in seinem Buch auszusprechen und in den historischen und philosophischen Kontext einzuordnen. Bis zur Hälfte seines Textes gelingt ihm das ganz gut. Doch dann verheddert sich sein Gedankenfluss leider zunehmend in zu vielen Details und verliert dadurch die eigentliche Aussagekraft. Dabei ist Grays Buch keineswegs die Provokation, die es sein will, denn es entspricht wenigstens in den Aussagen der ersten beiden Kapitel völlig neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die gelegentlich auch von der Jahrtausende alten Lehre des Buddhismus gestützt werden, wenn es zum Beispiel um die Illusion eines menschlichen "Selbst" geht.

Das dritte Kapitel ("Das Lasterhafte der Moral") mag in der Tat dann für viele eine Provokation sein. Aber auch hier folgt der Autor nur unangenehmen Tatsachen menschlichen Handelns. Moral, so schreibt er, sei ein Aberglaube und eine Konvention, auf die man sich nur in normalen Zeiten stützen kann. Beweise für diese Aussage findet man in der menschlichen Geschichte nur allzu oft. Das abendländische Denken, heißt es auf Seite 127, ist fixiert auf die Kluft zwischen dem, was ist, und dem was sein sollte. Eine solche Kluft gab und gibt es jedoch nicht in allen philosophischen Systemen. Beispielsweise gängeln Taoisten die Menschen nicht mit Regeln oder Prinzipien, die bei der erstbesten Gelegenheit sowieso über Bord geworfen werden. Darauf geht der Autor am Ende des 3. Kapitels ausführlich ein.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit Erlösungsversprechen des Christentums und anderer Religionen. Leider zeigt sich hier, dass Gray Buddha, mit dem er das Kapitel beginnt, nicht ganz verstanden hat. Im ursprünglichen Buddhismus gibt es kein Erlösungsversprechen vom Leiden. Vielmehr wird nur deutlich gemacht, wie Leiden entsteht und wie man es selbst wieder loswerden kann. In diesem Kapitel diffundiert die anfängliche klare Linie des Autors immer mehr.

Das setzt sich in den beiden letzten Kapiteln leider fort. Gray beschäftigt sich zunehmend mit Detailfragen und springt immer wieder zwischen verschiedenen Einzelthemen hin und her. Immerhin kommt er dann doch zu einem versöhnlichen Ende. Er schreibt: "Andere Tiere verzehren sich nicht nach einem Leben, das den Tod nicht kennt. Sie befinden sich bereits darin. ... Wenn wir unseren allzumenschlichen Sehnsüchten Lebewohl sagen, finden wir in die Welt der Sterblichkeit zurück. ... Andere Tiere brauchen kein Lebensziel. Das Tier Mensch kommt, da es im Widerstreit mit dem eigenen Wesen lebt, nicht ohne ein solches Ziel aus. Könnte es nicht darin bestehen, einfach zu sehen, was ist?"

Fazit.
Ein Buch, das viele kluge Gedanken enthält. Als Provokation gedacht, ist es letztlich keine, weil es einfach fast immer den Tatsachen und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen folgt. Aber es steht auch in Übereinstimmung mit anderen lebensphilosophischen Konzepten wie dem Zen-Buddhismus und dem Taoismus. Leider verlässt der Autor in der Mitte des Textes seine anfänglich klare Linie und wird detailversessen und sprunghaft. Dennoch ist dies aus meiner Sicht ein wirklich lesenswertes Buch.
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