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Anti-dyonisische Fleißarbeit der Ehren-PräsidEnte, 13. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Von Mann & Maus: Die Welt des Walt Disney (Gebundene Ausgabe)
„Der griechische Gott Apollo, der die Artikulierbarkeit der Welt
verwalten sollte, war ursprünglich auch der Gott, der das Getreide vor
Mäusen schützte. Mickey Mouse, zentrale Figur der Disneyschen
Mythologie, symbolisiert deshalb auch ein anti-apollinisches
Prinzip."
Dieser Unfug von Boris Groy erschien 1991 in der
samstäglichen FAZ-Beilage „Bilder und Zeiten", und wenn der
Donaldist, Philosoph, Betriebswirt, Rhetoriker und verantwortliche
Redakteur dieser Beilage, Andreas Platthaus, eine Walt
Disney-Biographie schreibt, hofft man auf vergleichbar durchgeknallte
Analysen. Immerhin ist er gemeinsam mit Patrick Bahners für das
Einschmuggeln von Erika-Fuchs-Deutsch in FAZ-Überschriften bekannt
geworden. Die im Henschel-Verlag erschienene Biografie „Von Mann
und Maus. Die Welt des Walt Disney" ist allerdings frei von
donaldistischem Sinngut. Er selbst beschreibt sie als Versuch, Disney
jenseits der Dämonisierung durch Marc Eliot als „Hollywoods dunklem
Prinzen", auf der Grundlage seines Werkes zu analysieren. Das
Ergebnis ist eine detaillierte, aber lieblos bebilderte Chronologie
der disneyschen Wirtschaftsgeschichte und technischer Innovationen,
und daß ist interessant, aber wenig.
Disney lädt Leni Riefenstahl
ein und trifft sie einen Monat nach der Reichspogromnacht? Okay, aber
er schätzte auch Sergej Eisenstein. Er liefert Senator McCarthy
Mitarbeiter ans Messer? Naja, er war halt von Gewerkschaften
enttäuscht und ein wenig paranoid. Außerdem vertraute ihm das FBI
nicht einmal, obwohl alle Agenten freien Eintritt in Disneyland
erhielten. Schwarze, Juden, Gewerkschafter und Frauen in
Führungspositionen mochte Disney nicht, aber er päppelte streunende
Katzen auf und war auch sonst ein feiner Kerl: „Walt Disney
errichtete ... sein eigenes Imperium, aber er begründete es nicht auf
Blut und Boden, sondern auf Träumen. Er wurde dadurch zum
erfolgreichsten Eroberer seiner Zeit, weil er Herzen und Hirne
besetzte. Doch im Gegensatz zu anderen Diktatoren seiner Epoche
verfolgte er machtpolitische Ziele, die sich auf das Imaginäre
beschränkten."
Disneys Träume wurden allerdings Realität. Nach
dem Erfolg der Stabilbauweise gegenüber dem Atem des bösen Wolfs
wurden in Kalifornien ganze Siedlungen aus Ziegeln errichtet und die
Parks des Patriarchen sind keine Erholungsstätten, sondern begehbare
Prototypen einer besseren Welt in der eine vernünftige Detektiv-Maus
Verbote verfügt. Letzten Endes propagierte der Kontrollfreak Disney
keine magische Demokratie, sondern ein Königreich und seine Welten
dienten der Umwandlung von Besuchern in - gelegentlich aufsässige -
Untertanen. Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Platthaus die
tiefe Enttäuschung Disneys über den Erfolg Donald Ducks, dessen
Beliebtheit bald die des disneyschen Alter Egos Micky Maus
übertraf. Eine Identifikation, die so weit ging, dass Disney den Oskar
für einen Donald-Film im Jahre 1940 als persönlichen Affront der
Academy empfand, derweil seine kreuzbrave Maus ins Abseits geriet. Als
Donaldist hätte Andreas Platthaus gewarnt sein können, die längst
anti-dyonisische Maus zu präferieren.
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