Der Mönch Notker Wolf versucht seine Beobachtungen, Erfahrungen und Lehren, die er für sich gezogen hat, mit uns zu teilen.
Eins vorab: Das ist kein "der-EINZIGWAHRE-Weg-zum-Glück-Ratgeber", sondern schlicht und einfach die Meinungen und Lehren eines Menschen. Er versucht auch niemanden zu bekehren, sondern gibt sein Wissen vielmehr wie der Dalai Lama weiter - so dass eben jeder, egal welcher Konfession (Atheisten eingeschlossen), etwas daraus lernen kann. Zwar ist immer wieder von (dem christlichen) Gott und dem Glauben die Rede (was sonst soll man von einem Benediktiner erwarten?), aber es müssen ja nicht alle Leser diesen Stelle genauso viel Aufmerksamkeit widmen, oder sie gleich interpretieren. Jeder hat doch seinen eigenen Kopf. Wenn man aber ein Christ ist, wird man umso mehr Freude daran haben und Bestätigung für den eigenen Glauben finden.
Es stimmt auch nicht dass Herr Wolf die Welt in schwarz-weiß sieht: Er gibt zu, dass es auch im Kloster Probleme und Streitigkeiten gibt und dass viele Dinge, die die Mönche nicht tun, schön und erfreulich sind. Natürlich wird hier und da gewertet, aber darum kommt man nicht rum wenn man die eigene Meinung ausdrücken möchte. Man muss ihm ja nicht in allem zustimmen.
Ich fand Vieles in dem Buch anregend und es wert, sich darüber Gedanken zu machen, beispielsweise die Funktion des Schweigens in unserer lauten Welt, der Wert der Meditation, wie gut es tut, Maß zu halten in ziemlich allem was wir machen, womit man den Egoismus zügeln kann und wie man mit anderen umgehen sollte.
Der Grund warum ich einen Stern abziehe, sind die Äußerungen über den Buddhismus: Wolf meint, Buddhismus sehr gut zu kennen, trifft dabei eher unglückliche Aussagen - sein Wissen diesbezüglich scheint sehr einseitig zu sein, oder womöglich geprägt durch nur eine Form des Buddhismus, wobei es doch so viele Formen mehr umfasst. An einer Stelle meint er zum Beispiel, das irdische Leben sei für die Buddhisten ausschließlich ein Leiden und die Buddhisten selbst Pessimisten. Stimmt überhaupt nicht: Sicherlich gibt es auch in dieser Gruppe Pessimisten, doch erstens sind alle Buddhisten, die ich kenne äußerst optimistisch und zweitens auch der Glaube an sich ist alles andere als pessimistisch oder leidvoll. Ironischerweise fand ich die meisten von Wolfs Aussagen diesbezüglich vielmehr auf das Christentum zutreffend, wo Jesus selbst so viel Graumsamkeiten erleiden musste und der Wert des irdischen Lebens im Vergleich zum Paradies/ Gottes Reich gleich null ist.
Nichtsdestotrotz, fand ich das Buch durchaus lesens-, nachdenkens- und empfehlenswert.