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Einen fünfzig Kilometer langen roten Leinenteppich soll vor tausend Jahren Herzog Boleslaus der Tapfere dem deutschen Kaiser Otto III. ausgelegt haben, als dieser zu Fuß zum Grab des heiligen Adalbert pilgerte. Unterdessen hat die Euphorie nach diesem legendären Auftakt der deutsch-polnischen Beziehungen doch spürbar nachgelassen. Um die Ursachen dafür zu ergründen, unternimmt Thomas Urban, Osteuropa-Korrespondent der
Süddeutschen Zeitung, selbst Sohn schlesischer Flüchtlinge und mit einer Breslauerin verheiratet, in seinem neuesten Buch
Von Krakau bis Danzig eine Reise durch die schwierige gemeinsame Geschichte der beiden Völker.
Sie führt ihn in die sieben größten polnischen Städte und beginnt in der einstigen Königsstadt Krakau, die in der NS-Zeit zur Hauptstadt des "Generalgouvernements" erhoben wurde. Weiter geht es nach Posen, zeitweise "deutscher Vorposten im Osten", dann wieder "polnischer Vorposten im Westen" und schließlich Hauptstadt von Hitlers Warthegau, von dort in die schlesische Metropole Breslau, die nach Jahrhunderten deutscher Dominanz von den Kommunisten vollkommen mit Polen "repatriiert" wurde, und schließlich in das ehemalige "deutsche Manchester" Kattowitz, das trotz systematischer "Entdeutschung und Repolonisierung" Hochburg der deutschen Minderheit geblieben ist. Nächste Stationen sind das einstige jüdische Zentrum Lodz, das von den Nazis grausam zu "Litzmannstadt" "arisiert" wurde, die polnische Hauptstadt Warschau (Warszawa), Schauplatz des blutigen Ghetto-Aufstandes, und abschließend die ehemalige "Freie Stadt Danzig", die Jahrhunderte lang Zankapfel zwischen Deutschen und Polen war.
Die vom Autor gewählte Form kapitelweiser chronologisch-deskriptiver Zusammenfassungen erinnern ein wenig an die historischen Überblicke in besseren Reiseführern und lassen mancherlei Hintergründe offen. Bei heiklen Fragen etwa zu Schuld und Sühne im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung lässt Urban allenfalls Fakten sprechen und enthält sich eigener Wertungen. Verständlich! --Roland Detsch
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 19.10.2000
Hansjakob Stehle schreibt über Thomas Urbans `Streifzügen durch die deutsch-polnische Geschichte`, als wäre seine Rezension mit dem Auswärtigen Amt abgesprochen. Es fällt kein einziges aussagekräftiges Wort! Stattdessen wird da `Geschichte als Herausforderung für die Zukunft betrachtet` und `ohne Scheu vor nationalen Tabus` verständlich gemacht. Da sprechen `Tatsachen, nicht Wertungen` und `neueste Forschungsergebnisse werden zu einer historischen Rundschau` verarbeitet. Wenn er Urbans Buch damit empfehlen will, hat er dem Autor einen Bärendienst erwiesen.
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