Dies ist der erste Schreibratgeber einer deutschen Autorin, den ich gelesen habe. Bisher kannte ich nur welche von englischen/amerikanischen Autoren, von denen sich dieser für mich positiv unterscheidet, weil er (logischerweise) auf die Gegebenheiten der deutschen Literatur- und Verlagswelt zugeschnitten ist. Besonders hinsichtlich der Anforderungen an Texte und Autoren lassen sich die englischen/amerikanischen Verhältnisse nicht oder nur bedingt auf unsere übertragen.
1. Der Aufbau des Buches ist sehr übersichtlich gegliedert, der getreu dem Titel den Entstehungsprozess eines Werkes von der Idee an Schritt für Schritt bis zum Endprodukt" erklärt und für jede Phase beschreibt, was wichtig ist und wo bei der Arbeit Fallstricke lauern.
Die einzelnen Kapitel beschränken sich auf die elementaren Dinge und verzichten auf Überflüssiges. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass den Lesern und (angehenden) Autoren eigene Kompetenz dahingehen zugestanden wird, dass zur Verdeutlichung der Sachverhalte ein paar treffende Beispiele genügen, statt jede Kleinigkeit idiotensicher" lang und breit aufzuarbeiten.
2. Sehr hilfreich ist die Auflistung nahezu aller Methoden, um Spannung zu erzeugen. Eine solche Liste habe ich in den anderen, mir bekannten, Schreibratgebern in dieser kompakten Form vermisst. Zu jeder Methode wird erklärt, wie man sie anwendet und wo ihre Grenzen sind.
Auch die Liste und Analyse der einzelnen Genres sowie die Erklärung ihrer Unterschiede leistet als Nachschlagwerk sehr gute Dienste. Einige Unterschiede waren mir bis dahin gar nicht bewusst, und von manchen Genres hatte ich noch nie gehört. Für mich sind beide Listen sehr informativ.
3. wird das Handwerkszeug" von der Pieke auf erläutert und werden alle Techniken vorgestellt, die erforderlich sind, um einen inhaltlich und sprachlich guten Text zu verfassen. (Entsprechende Fantasie und Fleiß der Leser/Autoren vorausgesetzt.)
Dass die Beispieltexte, die diese Techniken vermitteln, überwiegend (aber keineswegs ausschließlich) aus Spannungsgenres stammen (was man sich denken kann, wenn man im Klappentext liest, dass die Autorin Krimis, Science Fiction und Fantasy schreibt), ist für die Vermittlung der Techniken völlig unerheblich. (Im Schreibratgeber einer Liebesromanautorin wird wohl umgekehrt niemand Beispieltexte aus dem Krimibereich oder Horrorromanen erwarten.) Die Techniken, um z. B. Spannung aufzubauen, eine Figur zu entwerfen, einen Sachverhalt anschaulich zu beschreiben, Subtext in einen Dialog zu bringen etc., sind schließlich immer dieselben, völlig unabhängig davon, ob man einen Krimi, einen Liebesroman, Entwicklungsroman, Fantasy oder was auch immer schreibt. Wer ein bisschen Fantasie besitzt - bei Leuten, die sich mit kreativem Schreiben beschäftigen, setzte ich das als selbstverständlich voraus -, kann die beschriebenen Techniken mit Leichtigkeit auf jedes beliebige Genre übertragen.
Nicht nachvollziehen kann ich deshalb in diesem Zusammenhang die Meinung einer Rezensentin, die die Tatsache, dass fast alle Textbeispiele aus der Feder der Autorin stammen, negativ bewertet. Das einzig Wichtige an Beispieltexten ist, dass sie anschaulich das in dem jeweiligen Kapitel vermittelte Wissen verdeutlichen, nicht aus wessen Feder sie stammen.
Außerdem: Welche Bespiele könnten besser, weil glaubwürdiger, in einem Schreibratgeber sein, als solche aus Werken seiner Autorin, die bereits erfolgreich veröffentlicht wurden? Hätte die Autorin überwiegend oder sogar ausschließlich Textbeispiele anderer Autoren verwendet, wäre in mir der Verdacht aufgekommen, dass sie erst wenige eigene Werke veröffentlicht hat. In dem Fall hätte ich dann ein Problem mit ihrer Glaubwürdigkeit gehabt, denn andere Autoren verwenden in ihren Schreibratgebern auch größtenteils oder sogar fast ausschließlich Beispiele aus eigenen Werken, z. B. Elizabeth George. Und was einer Bestsellerautorin recht ist, darf einer (noch) nicht Bestellerautorin billig sein.
4. Etwas irritiert haben mich zunächst die Übungen am Ende mancher Kapitel. Auch das kannte ich von anderen Schreibratgebern nicht. Autoren sollten m. E. in der Lage sein, das im Buch vermittelte Wissen beim Schreiben ihrer eigenen (!) Werke umzusetzen und anzuwenden, statt wie Schulkinder von der Lehrerin" vorgegebene Hausaufgaben zu schreiben. Jedoch sind diese Übungsaufgaben sehr sinnvoll für Anfänger, die erst wenige eigene Texte verfasst haben. Außerdem beschränken sich die Schreibaufgaben auf Bereiche (z. B. Show, don't tell"), die auch Fortgeschrittene immer wieder üben sollten.
Zusammenfassung:
Dieser Ratgeber vermittelt Anfängern eine solide Grundlage, auf der sie aufbauen können und gibt Fortgeschrittenen wertvolle Tipps (von denen man nie genug bekommen kann), um ihre Fähigkeiten zu verbessern.
Nachdem ich nach der Lektüre dieses Buches eine meiner Kurzgeschichten, die bis dahin von allen Verlagen abgelehnt wurde, nach den hier vermittelten Kenntnissen von Grund auf überarbeitet habe, bekam die Neufassung schon beim dritten Versuch einen Vertrag.
Wie die Autorin in ihrem Schlusswort schreibt, gibt das Durcharbeiten von Schreibratgebern zwar keine Garantie dafür, dass die Leser mit ihren eigenen Werken Erfolg haben, (nicht nur) dieser gibt ihnen aber genau dazu eine reelle Chance. In meinem Fall hat es geklappt. Vielen Dank!