Tom Wright ist seit vielen Jahren als brillanter Theologe bekannt. Seine äußerst fundierten Ansichten stützen sich auf seine persönlichen Erfahrungen, die er aus der Bibel zieht. Hilfreich ist, dass er die gute Nachricht von Jesus Christus und die damit für uns verbundenen Auswirkungen nicht aus dem traditionellen Christentum mit all seinen Fehlern und Auswüchsen beleuchtet, sondern sich mit seiner Argumentation in die "jüdische Zeit Jesu" versetzt. Dies eröffnet eine völlig andere Perspektive, die der Kirche im Laufe der Jahrhunderte völlig abgegangen ist. Hervorzuheben ist seine glasklare Beweisführung, die sich auch in einem außergewöhnlichen Schreibstil äußert. Diverse eschatologische Ansichten sind sicherlich im Hinblick auf ihre Auslegung diskussionswürdig. Gerade im Hinblick auf die Aussagen der Wiederkunft Christi sind die zitierten Stellen aus der Bibel durchaus auch aus einem anderen Winkel zu betrachten. Nicht nur aus diesem Grund stößt der Autor gerade aus dem evangelikalen nordamerikanischen Raum auf Widerstand. Kirchlich antiquiertes Denken ist Tom Wright völlig fremd. Und das ist auch wünschenswert. Seine Botschaft ist klar und präzise. Um ihr folgen zu können, ist eine gewisse theologische Vorkenntnis hilfreich. Tom Wright würde sein Gesicht nicht verlieren, wenn er sich hinsichtlich der kritischen Stellen bezüglich der Wiederkunft Christi mit anderen, auch freikirchlichen Ansichten, einer weiter führenden Diskussion und Aufklärung stellen würde. Trotzdem trägt das Buch "Von Hoffnung überrascht" diesen Titel zu recht. Jedem, der nicht krampfhaft an Traditionen klebt, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Tom Wright trägt eine Hoffnung weiter, von der wir nur profitieren können.
Geschrieben am 21. März 2012
von Friedhelm Seelig