Es waren teils persönliche Motive die den Autor Heinrich Dosedla dazu gebracht haben dieses Buch zu schreiben, doch nicht die Absicht sondern das Ergebnis zählt schlussendlich und das ist ein fundierter umfangreicher Zeitzeugenbericht über das Ende der k.u.k.-Monarchie, die Tragödie der ersten Republik und den darauffolgenden Anschluss, wie auch die "Hundejahre unterm Hackenkreuz".
Die Suche nach einem Stück Familiengeschichte war es die Heinrich Dosedla auf den Spuren seines Onkels Jozef "Joschka" Dosedla in das Wien der 20er- und 30er-Jahre führte. In diesen für die erste Republik schicksalhaften Jahren machte Dosedlas Onkel Joschka, der Medizin studierte, Bekanntschaft mit einigen jungen Menschen aus sozialdemokratischen Kreisen und hielt sein Leben lang Kontakt mit diesen Mitstreitern. Aus diesem Grunde ist "Von Habsburg bis Hitler" auch den einfachen Menschen und den damaligen Lebensverhältnissen gewidmet, die jene tragischen Zeiten erlebt haben und anhand einer Chronologie der Ereignisse lässt Dosedla die Zeitzeugen selbst zu diesen Stellung nehmen, wobei er auch näher auf Themen wie Massenarbeitslosigkeit, Hunger und die triste Wohnungslage im Wien anfangs des 20. Jahrhunderts eingeht.
Speziell Wien ist in der jüngeren Geschichte Österreichs ein Ort mit höchsten Stellenwert, da gerade hier die wichtigsten Entscheidungen für die gesamte Bundesrepublik getroffen wurden und jene Ereignisse stattgefunden haben, welche die Republik in ihren Grundfesten erschütterten, wie der Brand des Justizpalastes oder die Selbstausschaltung des Parlaments. Eine Besonderheit ist natürlich dass neben Angehörigen des sozialdemokratischen Lagers auch etwa christlichsozial eingestellte Zeitzeugen zu Wort kommen und dadurch auch sehr gegenteilige Ansichten zur Sprache kommen, denn auch das ist Geschichte, man kann über ein und dasselbe unterschiedlicher Meinung sein, wie etwa die Leistungen des Bundeskanzlers Prälat Ignaz Seipel, der einerseits als Prälat ohne Milde bekannt wurde, anderenseits aber durch rigorose Maßnahmen die Wirtschaft des Landes wieder einigermaßen ankurbeln konnte.
Von Habsburg bis Hitler erhält man ein akkurates und sehr lebendiges Bild der ersten Republik von ihren Anfängen bis zum Ende und Anschluss an das deutsche Reich vermittelt, das dank der nicht einheitlichen Zeitzeugenaussagen ein teils sehr gegensätzliches Bild von Österreich vermittelt. Dabei wird nichts ausgelassen, weder die sozialen Probleme, noch Betrachtungsweisen der "großen Politik" und ihrer Auswirkungen auf die einfachen Bürger.
Fazit:
Ein faszinierendes Buch, das aus einer sehr menschlichen Perspektive und trotzdem sehr fundiert ein überaus lebendiges Bild Österreichs von den letzten Monaten der Monarchie bis zum Ende unter der NS-Herrschaft zeichnet.