In den letzten Jahren habe ich - erst aus Zufall, dann mit Vorsatz - einige Bücher über das Keltentum gelesen. Es ist nicht ganz einfach, zu dem Themenbereich Lesestoff zu finden, der gut ist. Oft verliert sich der Autor entweder in mystischen Gebilden - oder kann den Stoff nur staubtrocken rüberbringen. Meistens habe ich deshalb eher auf englische Autoren zurückgegriffen. Irgendwie schaffen es die Engländer Geschichte so zu verpacken, dass selbst Sachbücher gut zu lesen sind. Vor einigen Wochen habe ich mir dann "Von Göttern und Helden" gekauft. Amazon hat mir das Buch aufgrund meiner "Kaufgeschichte" empfohlen. Von Arnulf Krause hatte ich noch nie etwas gehört. Aber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Die nordeuropäischen Mythen haben mich schon immer viel mehr interessiert, als die z.B. des klassischen Altertums. Sie sind einfach viel dunkler, geheimnisvoller und vielschichtiger. Es gibt Drachen und Monster, betörende Feen, geheimnisvolle Welten und unterirdische Reiche in denen Zwerge oder Feen leben. Außerdem gibt es Helden, wie z.B. Arthus und dann wären da noch die Nibelungen. Der Stoff aus dem die Sagen sind...
Aufgrund des Titels und des Covers habe ich vermutet, dass es sich bei Arnulf Keil (trotz seines universitären Hintergrunds) eher um die Sorte Autor handelt, der sich in mystischen Gebilden verliert. Auch das Inhaltsverzeichnis (siehe oben) klingt stellenweise ziemlich reißerisch. Aber dann war ich wirklich angenehm überrascht. Der Autor gibt in seinem Buch auf insgesamt 214 Seiten einen richtig guten, interessanten und fundierten Abriss über die nordeuropäische Mythologie und Geschichte.
Gerade über die Kelten habe ich schon die abstrusesten Sachen gelesen. Und das ist der Teil des Buches bei dem ich ein gewisses Laienwissen vorweisen kann. Ein Volk, das selber keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlässt gibt natürlich viel Raum für Spekulation. Die schriftlichen Vermächtnisse, die es gibt, stammen entweder von christlichen Mönchen oder den siegreichen Römern. Und sowohl die Mönche, als auch die Römer hatten (aus unterschiedlichen Gründen) ein Interesse daran, nicht ganz so eng an der Wahrheit zu bleiben. Der nette Spruch "Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger" passt hier gut.
Was Arnulf Krause dem Leser in seinem Buch anbietet ist sauber herausgearbeitete Geschichte und gute Vermittlung der Mythen und Legenden. Denselben Eindruck hinterlässt er bei mir auch bezüglich der anderen Kapitel. Der Autor beginnt sein Buch in der Steinzeit und spannt den Bogen bis zur heutigen Fantasy-Literatur. Allerdings fällt der letzte Teil extrem kurz aus. Das fand ich etwas schade. Aber wahrscheinlich wäre das Buch sonst auch noch einmal deutlich länger geworden.
Wer ein Buch erwartet, in dem er esoterische "Geheimnisse" erfährt, ist hier falsch. Wer aber gerne etwas mehr über nordeuropäische Mythologie und ihre Entstehungsgeschichte erfahren möchte, macht bei dem Buch nichts falsch. Ich habe die Lektüre sehr genossen und werde mir als nächstes 'Die Welt der Wikinger' vom Autor zulegen.