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Von der Entdeckung des Paradieses
 
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Von der Entdeckung des Paradieses [Gebundene Ausgabe]

Doc Comparato
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 296 Seiten
  • Verlag: Eichborn (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821808292
  • ISBN-13: 978-3821808291
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.143.760 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine ungewöhnlich Gratwanderung zwischen literarischer Fiktion und historischen Fakten zieht in ihren Bann.

Auszug aus Von der Entdeckung des Paradieses. von Doc Comparato. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Mysteriöse und unwahre Ereignisse
Um das Jahr 1500
Rom, Vatikan

Nur Luft, nichts als Luft. Der Luftstrom entsteht wie ein Wirbel im Labyrinth
der Lungen. Er erreicht den Kehlkopf und streicht scheinbar folgenlos über die
Stimmbänder, dann ordnet sich alles.
Die wirbelnden Luftmoleküle versetzen die Stimmbänder in perfekte Schwingungen,
und der Luftstrom verwandelt sich in kristallhellen Klang.
Reine Töne von höchster melodischer Präzision füllen den Mund des Knaben. In der
Tonlage eines Soprans kommen sie als lieblicher Gesang über Francescos Lippen.
In diesem Augenblick leitet die verblüffende Klangbildung einen noch schwieriger
zu erklärenden Vorgang ein. Statt durch den Raum zu schweben und in das Ohr
Seiner Heiligkeit einzudringen, wählt der Gesang offenbar einen weit kühneren
Weg.
Den Worten von Papst Pius III. zur frommen Äbtissin und päpstlichen Haushälterin
de Roncani nach vermag die Stimme des Knaben unbegreiflicherweise durch das
Stirnbein in seinen Schädel einzudringen, gleich Messerklingen die Blutgefäße
des Gehirns zu durchschneiden und den quälenden, pochenden Kopfschmerz zu
blockieren, der den Pontifex immer wieder heimsucht.
Eine eigenwillige päpstliche Theorie von geringem wissenschaftlichem Wert, doch
zumindest in der Praxis effektiv. Francesco singt, und wie durch ein Wunder
schwindet der Schmerz.
Deshalb ist Francesco ungewollt zu einem der begehrtesten Objekte im Netz der
Ambitionen und Intrigen geworden, die sich um die päpstliche Macht ranken.
Man braucht nur Francesco zu folgen, ihm nachzuspionieren oder wachen Auges den
Knaben zu beobachten, wie Bruder Camilo es lieber auszudrücken pflegt, und schon
erhält man Hinweise auf Stimmung und Gesundheit von Pius III.
Sehr große Augen, kaum Wimpern. Schmale Gliedmaßen, breiter Brustkorb. Ein für
sein Alter großer Kopf auf einem schlanken Hals. Francesco lebt nicht mit den
anderen Chorknaben des Vatikans zusammen. Er hat seinen eigenen Musiklehrer und
schläft allein in dem parallel zu den päpstlichen Gemächern verlaufenden Flügel.
Immer verfügbar, jederzeit zum Singen bereit: das ist sein Lebensinhalt. Sonst
nichts.
Mitunter kommt schon vor dem Morgengrauen, noch bevor die Mönche die Matutin
gesprochen haben, mit flackernder Fackel und schielendem Blick der Gardist
angelaufen, um den Knaben zu wecken. Francesco klettert verschlafen aus dem
Bett, hängt den wollenen Umhang über das Nachthemd und eilt atemlos hinter dem
Gardisten her. Zeit zum Wasserlassen bleibt ihm so gut wie nie. Vor der Tür zum
päpstlichen Schlafgemach serviert ihm eine Nonne etwas Tee oder heiße Milch, um
seine Kehle anzuwärmen. Dann steht er da, stocksteif, und wartet auf das Bimmeln
des Glöckchens der Äbtissin Haushälterin, das Zeichen, daß er eintreten und für
den mächtigsten Mann der Welt singen soll.
Nur Luft, nichts als Luft. Dieses Mal geschieht es nach der Komplet, der
Gebetsstunde in später Nacht. Der mürrische Gardist ist gekommen, die heiße
Milch ist Francescos Kehle hinuntergelaufen, das Bimmeln des Glöckchens hat die
Tür geöffnet, und der Knabe ist eingetreten.
Alles weiß. Schieres Weiß.
Von acht weißen Kopfkissen unterschiedlicher Größe gestützt, das Gesicht unter
zahllosen dampfenden weißen Leinentüchern verborgen, ruht Seine Heiligkeit unter
einer dicken weißen Decke, die schlaff über die Bettkanten hängt. Eine weiße,
konturenlose Masse.
Die Äbtissin, im weißen Ordenskleid und sehr bleich, zuckt ängstlich zurück
angesichts der Heftigkeit der Kopfschmerzen des Heiligen Vaters. Kein
Sterblicher hat so etwas je erlitten.
Sie zupft die Tücher zur Seite und entblößt das Antlitz von Pius III. Der Duft
von Rosmarin und anderen aromatischen Kräutern steigt Francesco in die Nase,
während seinem Mund die ersten schneidend hellen Töne entschlüpfen und sich
durch den Schädel in den ovalen, öltriefenden Kopf bohren.


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Sehr zu empfehlen. 1. Dezember 2004
Dieses Buch gehört zu den besten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es hat einen künstlerischen Stil, beschreibt aber auch ganz hart die unterschiedlichen Reaktionen, die die Entdeckung neuer, "paradiesischer" Welten im 16. Jahrhundert mit sich brachte. Die Reaktion des Theologieprofessors fällt ganz anders aus als die der machtpolitischen Kreise des Vatikan. Extrem lesenswert, wird hoffentlich bald wieder aufgelegt.
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