Am 12.05.2006 erschien die neue DVD von Klaus Hoffmann. Die zweite ihrer Art, denn bereits 2003 konnte man sich an der digitalen Konzertaufzeichnung der "Insellieder" erfreuen, geschmückt mit zusätzlichen Extras wie der Klaus-Cam, dem Konzertmitschnitt "Erzählungen", einer Vita und Diskographie.
Jetzt legt Hoffmann also nach, und um es gleich vorwegzunehmen: Diese DVD hat es wirklich in sich.
Bewusst minimalistisch und im zurückhaltenden S/W-Design präsentiert sich das schicke Digipack als wäre die Welt schon schrill und bunt genug. Für Cover und Booklet schoss Altmeister Jim Rakete die Fotos, der Hoffmann schon seit vielen Jahren in Szene setzt - und wie sollte es anders sein: wie immer kommt der künstlerisch durchdachte Ausdruck und die Faszination seiner Bildsprache mal wieder voll zur Geltung.
Klaus Hoffmann sitzt auf einem Hocker, vergräbt die Hände ins Gesicht. Fassungslos, wie es scheint. Fassungslos über diese Welt, die er bereits auf seiner aktuellen gleichnamigen CD besingt? Oder fassungslos, dass er es geschafft hat, sich nun schon 30 Jahre lang gegen alle Trends der Musikbranche durchzusetzen? Vielleicht aber auch einfach fassungslos, dass er überhaupt bis hierher gekommen ist. Los marschiert als Kind, das sich seine eigene Welt erträumte. Eine Welt, in der der Vater stark und die Mutter glücklich war, in der die Häuser von Berlin lächelten und die Menschen fröhlich an die Zukunft glaubten. Eine schöne, freie, glückliche Welt - in der man sogar fliegen konnte. Weiter zum jungen Lehrling bei Klöckner, der zwischen klingelnden Telefonen, hübschen Sekretärinnen, grauen Fluren und Gesichtern immer von einem anderen Leben träumte. Irgendwo im Nirgendwo. Als Star vielleicht, so wie Brando, der als Rebell und Frauenheld die Welt erstürmte. Oder wie Brel, der mit seinen Liedern die Mittelmäßigkeit und Spießigkeit erbeben ließ? Egal, einer von ihnen würde schon Recht haben. Hauptsache abhauen und ein Anderer sein. Hin zum Clubsänger, der den Beatniks der 60er schließlich mutig und zittrig zugleich poetisch seine Welt um die Ohren haute; mit einem ergänzenden Weg zum Schauspieler, der vor allem als Edgar Wibeau zum Idol und Frauenschwarm einer ganzen Generation wurde; weiter zum Autor, der plötzlich auch die feine Romankultur für sich entdeckte. Rastlos, immer weiter strebend, bis er angekommen war bei dem, der er heute ist: Ein Sänger, Schauspieler, Poet. Berühmt. Ein Star. Geschafft. Zufrieden? Nein. Denn eigentlich könnte er jetzt doch ganz aufrechten Hauptes dastehen. Locker die Hände in den Taschen, stolz und glücklich zurückblickend auf die letzten 30 Jahre. Doch hat man eher das Gefühl, dass er seinen Erfolg eigentlich immer noch nicht so recht glauben kann. Immer noch dankt er bescheiden Vorbildern, Lehrern und Ersatzvätern, die ihn "erzogen" haben - und dem Publikum, das ihm diesen Weg ermöglicht hat. Und wahrscheinlich ist sie heute wie damals immer noch da, diese "Angst, dass es nicht ausreicht". Doch es reicht. So wie er ist. Und nicht nur das: Es überschreitet seit jeher alle Grenzen.
Der Konzertmitschnitt
Am 16. Januar 2006 lud Klaus Hoffmann im Berliner Friedrichstadtpalast nun zu einem ganz speziellen Konzert ein. "Von dieser Welt" - so hieß sein Tourneeprogramm, mit dem er bereits seit Oktober quer durch Deutschland reiste und das nun in Berlin noch einmal aufgezeichnet wurde. Doch eigentlich versteckte sich weitaus mehr hinter dem schlichten Titel, denn 2005 feierte Hoffmann 30jähriges Bühnenjubiläum. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er nicht nur Songs aus seiner aktuellen CD "Von dieser Welt" zum Besten gab, sondern auch einen bunten Querschnitt aller Lieder aus den letzten drei Jahrzehnten. Sinnbildlich und nur logisch, dass er das Konzert daher auch gleich mit dem Song "Das alte Lied" einstimmt. Auf seiner ersten Platte von 1975 neben vielen Brel- und den ersten eigenen Songs noch ein Nebendarsteller, avanciert das Lied jetzt plötzlich zum Protagonisten und zum Credo dieser DVD (und Tournee). 29 Klassiker, aber auch selten gespielte Titel wie "Morjen Berlin", "Sarah" oder "Die Mittelmäßigkeit" folgen. Und gerade bei den Raritäten frage man sich, warum diese eigentlich so lange nur noch auf den Rillen der alten Vinylplatten zu hören waren, gehören einige doch zu den wunderbarsten Liedern, die Hoffmann je geschrieben hat! Aktuelle Songs wie "Die Zeit, die vergeht", "Dass ich Dich lieb" oder "Hejaho" sind aber natürlich genauso mit von der Partie, genauso wie Hoffmanns berühmte Zwischentexte, bei denen er mal augenzwinkernd, mal poetisch, aber auch mal respektlos und mit einem heute gänzlich anderen Blickwinkel auf die alten Texte Altes und Neues überleitet. Zwischendurch erzählt er dabei auch immer wieder clowneske oder melancholische Anekdoten aus seiner eigenen Bio. "Bedingt" würde er bei letzterem wohl sagen, denn ein bisschen ausschmückende und abweichende Fantasie, ein bisschen Pathos und Theater, ein bisschen Komödiantentum und Wunschmalerei ist natürlich auch immer dabei.
150 Minuten lang kann man insgesamt noch einmal abtauchen in einen unvergesslichen Konzertabend, von dem die Berliner Morgenpost später schrieb: "Dafür bekam er nach drei Stunden Standing Ovations, einen Beifallsturm und ein Pfeif-Bravo-Jubel-Konzert, das klang, als läge der Friedrichsstadtpalast im Zentrum eines gigantischen Feuerwerks. Wer dabei war, wird das nie vergessen..." Punkt!
Als außergewöhnliche Highlights entpuppen sich dieses Mal auch die Extras. Fand man auf der ersten DVD noch einige Informationen, die man sich auch bequem auf der Hoffmann-Internetseite anschauen kann sowie ein sehr persönliches und ungeschminktes, aber auch etwas angeschlagen wirkendes Selbstportrait in Form der Klaus-Cam, so präsentiert Hoffmann jetzt gleich drei ungewöhnliche Extras, die man wohl nur auf dieser DVD in Zukunft finden wird.
Proben und Backstage
Kaum hat man das Konzert genossen, kann man sich plötzlich einen langgehegten Traum per Knopfdruck erfüllen. Klaus Hoffmann heftet einem nämlich den Pass an, für den so mancher Fan ziemlich lange Schlange stehen würde: Den Backstage-Pass. Und mit dem ist so ziemlich alles möglich. Wer bis dahin noch nie die Möglichkeit hatte, sich eine Probe live anzuschauen oder hinter den Bühnenbereich zu gelangen, der bekommt jetzt die Gelegenheit dazu. Ob in die Garderobe von Klaus oder seiner Musiker, ob zum Soundcheck der Techniker oder rein in die Gespräche mit dem Tour-Team - überall kann man hin, dabei sein, und das bis zum letzten Augenblick vor dem Konzert.
Danach Glückwünsche und Besuche von Freunden, Fans und auch von Mama Hoffmann und Lebensgefährte, die dem Sohnemann natürlich zum Konzert gratulieren, auch wenn der - wie fast immer - alles mal wieder viel zu selbstkritisch sieht ;-)
Ungewöhnlich auch: Der anschließende Empfang. Normalerweise ist man hier nur als Bekannter, Freund oder als Journalist eingeladen, dieses Mal nimmt Klaus gleich das ganze Publikum mit. Zwischen Champagner und Häppchen trifft man dabei ganz relaxt und normal auf Berliner Prominenz wie Antje Vollmer oder Otto Sander. Und zu Letzterem wäre mal wirklich etwas festzuhalten: Reinhard Mey hat Freund Hoffmann nett beschrieben, keine Frage, doch wirkt es plötzlich farblos gegen das, was Sander in nur wenigen Sätzen schnodderig als Statement zum Konzert und zur Kunst von Hoffmann loslässt. Keineswegs eine verkitschte Lobhudelei, sondern aufrichtig gemeinte Bewunderung! Beeindruckend klare und treffende Worte!
Interview mit Kathrin Brigl
Kathrin Brigl dürfte vor allem den Berliner Radiohörern bekannt sein, denn zusammen mit dem Musik-Journalisten Siegfried Schmidt Joos berichtet sie in der Sendung "Showtime" aus der Welt der Stars. Immer hautnah und aus erster Hand, denn viele Künstler hat sie natürlich auch persönlich getroffen und dabei gleich manches Herz mit ihrer Art so erobert, dass daraus eine langjährige Freundschaft entstand. Einer von ihnen: Klaus Hoffmann.
Bereits 1982 und 1985 hat Brigl Klaus Hoffmann ausführlich interviewt. 1982 wich er manchmal noch gerne aus, verlor sich in schwammigen, distanzierten Aussagen, eben ganz im Sinne des Boxers: Komm her, aber komm mir nicht zu nah. Erst 1985 ließ er sich bei Brigl auf eine andere Tiefe ein, nachdem man sich kennen gelernt hatte und wohl auch eine Art des Vertrauens ineinander entstanden war. Das Gespräch von 1985 - oder ein Teil davon - ist heute auch noch nachzulesen in dem Buch Selbstredend (bei rororo erschienen). Brigl liefert in ihren Interviews meist Journalismus mit höchstem Anspruch. Denn dieser endet nicht bei Themen wie "Sex, Drugs & Rock`n Roll", bei oberflächlichen Plänkeleien oder leerem Smalltalk. Sie schaut tiefer in ihr Gegenüber hinein, möchte ihn oder sie begreifen und "sehen" und gibt sich mit Halbwahrheiten gar nicht erst zufrieden. So zielstrebig sie in ihrem Anspruch auch ist, so feinnervig und sensibel führt sie allerdings das Gespräch und dringt so manchmal unbequem, aber immer charmant in Schichten vor, die manchem Journalisten auf ewig verschlossen bleiben dürften.
Bei Hoffmann wagt sie nun einen besonderen Querschnitt. Nicht nur durch 30 Jahre, sondern auch durch seinen Körper. Sinnbildlich und doch direkt. Kopf, Brust, Geschlecht, Füße und Hände - alles hat dabei seine eigene Bedeutung.
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