Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Liszt, Mendelssohn Bartholdy, Bruckner, Mahler - wer kennt sie nicht, diese Namen - und die fragwuerdigste Angelegenheit, Wagner, obendrauf. Aber haben wir uns alle die Muehe auslotender Reflexion genug gemacht, angesichts dieser auf dem kompletten Globus konsumierten Musik? Der Musikwissenschaftler Prof. Martin Geck wagt sich in das Dickicht kniffligster Beurteilungen, und er geraet im beharrlichen Graben nach Einsicht weit ueber das uebliche Masz an schablonenhafter Information hinaus. Beispiel: das Verhaeltnis Hitlers zu Wagners Parsifal. Vom "PRINZIP ABTOETEN" spricht Geck, - dieses werde in der Parsifal-Figur durchgespielt. Das Kind, der Entwicklung in die Sexualitaet durch Entsagungsgetue aus dem Wege gehend, wird zur Leitfigur aller Maennerbuende, die im eifernden Idealismus von irgendeiner Idee verhext, Vernichtung und Tod produzieren. Was bei den mittelalterlichen, moenchischen Hexenverfolgungen schon eine enorme Kulturkatastrophe war, erreicht in der fast maschinenmaeszigen Toetungsindustrie des Nationalsozialismus den schrecklichsten Hoehepunkt der Menschheitsgeschichte. "Man soll sie (die Traeger verdorbenen Blutes) sterben lassen mitsamt ihren Koenigen wie Amfortas", soll Hitler im Gespraech mit Hermann Rauschning gesagt haben, seine Parsifal-Vernarrtheit besprechend. Martin Geck tanzt wahrlich nicht um den heiszen Brei herum, wenn er der zuweilen sehr unangenehmen Frage nachgeht, in welchem ideologiegeschichtlichen Zusammenhang die jeweiligen E-Musik-Komponisten zu sehen sind, von der deutschen Innerlichkeit bis zur romantischen Ironie, von der Mystik bis zum Monumentalismus, von der Melancholie bis zum Groeszenwahn. Martin Gecks Buch laeszt uns die genialste Epoche deutschen Komponierens in ihrem gewaltigen Auf und Ab intensivst noch einmal nach-, streckenweise sogar noch einmal voellig neu erleben - und verstehen.