Jeder Autor, der es heute unternimmt, ein Buch über das Judentum, das deutsch-jüdische Verhältnis und den israelisch-palästinensischen Konflikt zu schreiben, begibt sich in des Teufels Küche. Er läuft das Risiko, zwischen den Fronten divergierender Meinungen zerrieben zu werden und im Streit kollidierender Ideologien auf der Strecke zu bleiben. Grosser weiß um dieses Risiko. Er geht es ein und "überlebt". Mit sicherer Hand und klarem Blick geht er seinen Weg durch das politische Minenfeld explosiver Emotionen und gefährlicher Ideologeme. Grosser ist Jude und bekennt sich dazu - aber erst in zweiter Linie. In erster Linie ist er ein Humanist und Intellektueller, der sich weder politisch noch religiös von irgendeiner Seite vereinnahmen lässt. Leidenschaftslos präsentiert und differenziert er die historischen Fakten, bewahrt sich die Souveränität des eigenen (wohltuend unideologischen) Urteils und scheut sich nicht, Kritik zu üben, wo immer es ihm aus moralischen oder politischen Gründen angezeigt erscheint. Von den wütenden, reflexartigen Attacken der Israel-Lobbyisten auf ihre Kritiker lässt er sich nicht beeindrucken.
Grosser berührt alle sensiblen Punkte dieses "tragischen" Kapitels der jüngeren Geschichte: das jüdische Trauma der Shoa, den deutschen Schuldkomplex, die Rolle des Zentralrats der Juden in Deutschland, den "Fluch" des Antisemitismus, den Streit deutscher Journalisten über die "richtige" Einstellung zum Nahost-Konflikt, Israels Umgang mit seinen arabischen Nachbarn, den Libanon-Krieg, die Gaza-Offensiven, die Zwei-Staaten-Diskussion, die israelische Siedlungspolitik, die Borniertheit der religiös Orthodoxen und nicht zuletzt: Das hilflose Agieren von Politikern, die es seit fast einem Jahrhundert nicht schaffen, eine Konfliktlösung zu finden,so dass Hass und Gewalt, Wut und leid, Tod und Zerstörung eine unendliche Spirale bilden.