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Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein
 
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Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein [Gebundene Ausgabe]

Hallgrímur Helgason , Karl-Ludwig Wetzig
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung, 17.3.2005

»... Eine pfiffige Fabel. ... Eine grosse bunte Spielzeugkiste ist dieser Wälzer.«

Süddeutsche Zeitung, 14.4.2005

»... Der stärkste Teil des Buches jedoch ist der "Roman" im Roman. Helgason gelingt es auf dieser Ebene, all seiner selbst inszenierten Ironie zu trotzen und Menschen aus Fleisch und Blut zu schaffen. ...«

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.3.2005

»... So versteckt Helgason auf der Hochheide und am Fjord kunstvoll die Puzzlestücke einer ganzen Schriftstellerbiographie des zwanzigsten Jahrhunderts ... Helgason nutzt Island als verkleinerte Weltkarte, in der sich ein ganzes Säkulum spiegelt. ...«

Der Spiegel, 11/2005, 14.3.2005

»Helgason selbst hat die Warnung seines Protagonisten beherzigt und einen Roman geschrieben, der keinen Raum hat für endlose Landschaftsschilderungen - weil er viel Platz braucht für eine Fülle origineller Einfälle.«

Kurzbeschreibung

Ein fulminant-skurriles Spiel mit Dichtung und Wahrheit
Wie in einem bunten Kaleidoskop wirbelt ein ganzes Jahrhundert vorbei - der Fokus ist die nördliche Insel zwischen Amerika und Europa, in ihm erkennt man die Welt und den Beginn einer neuen Zeit.
Ein Kind findet den reglosen Greis nahe dem einsamen Schafhof seines Vaters. Gastfreundschaft ist in Island heilig, daher nimmt der wortkarge Viehbauer den Findling auf.

Über den Autor

Hallgrímur Helgason, 1959 geboren, ist einer der meistgelesenen Autoren Islands. Er studierte zunächst Malerei in München, Paris und New York, wo er mehrere Ausstellungen hatte, und fing dann an zu schreiben: Drei Romane sind bisher veröffentlicht und ein Gedichtband. Er zeichnet eine Comic-Serie für eine isländische Zeitung, hat zwei Bühnenstücke geschrieben und macht gern den stand-up-comedian. Mit seinem Roman »101 Reykjavík«, der auch als Film in ganz Europa ein Erfolg wurde, gelang ihm international der Durchbruch. Das Buch wurde 1998 mit dem angesehenen Nordic Council Prize ausgezeichnet. Für seinen Roman »Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein« wurde er mit den beiden wichtigsten Preisen seiner Heimat ausgezeichnet, dem "Isländischen Literaturpreis" und dem "Literaturpreis der Isländischen Buchhändler". Die Übersetzung wurde als ebenso preiswürdig eingeschätzt: Karl-Ludwig Wetzig wurde mit dem Preis der Dialog-Werkstatt Zug ausgezeichnet.

Auszug aus Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein von Hallgrimur Helgason, Karl-Ludwig Wetzig. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Friðþjófur, die fette Forelle, kommt zum Ufer geschwommen und blickt auf. Ja, jetzt sieht er aus der Hel zu mir auf. Wir sehen uns in die Augen, und da geht mir ein Licht auf.
Ich verstehe.
Jetzt wird mir alles klar.
Endlich erinnere ich mich. Friðþjófur taut mein Gedächtnis auf. Und ein ganzer Eisklotz liegt vor mir wie ein gefrorenes Mammut: Ein alter Roman. Ein Roman, den ich selbst geschrieben habe. Über Hrólfur in Heljadalur. Wie hieß noch mal der Titel? Es trifft mich wie ein Schlag, und ich muß mich setzen. Ich stütze mich auf eine Bülte und sehe zum Himmel auf: Oh, Gott, mein Gott ... Ist das mein Schicksal? Muß ich hier an den Ufern des Sees schmachten, den ich selbst vor einem halben Leben aus dem Tintenfaß schöpfte? Um Himmels willen, ich bin in meinem eigenen Roman gelandet! Hinterhältiger Humor des Himmels. Treppenwitz der Geschichte. Ich fühle eine nasse Kälte an Hintern und Ellbogen und stehe auf. Meine Hände zittern, und mich schwindelt wieder. Beinahe falle ich hin, kann mich aber gerade noch an den Wiesenhöckern abstützen. Wie kann man sich als Autor in der eigenen Geschichte einen nassen Hintern holen? Und wie kann ein Autor in sein eigenes Buch eintreten? Nur auf eine Weise: Wenn er tot ist.
Ich bin tot.
Ich muß zugeben, daß mich diese Einsicht ziemlich enttäuscht. Das also ist der Tod. Und alle wissen Bescheid, nur ich nicht. Die Beerdigung ist vorbei, Blumen, Kränze, Leichenschmaus, Nachrufe. Wie viele hat Friðþjófur kürzen dürfen? Wie viele Seiten habe ich bekommen? Tómas Guðmundsson bekam eine ganze Sondernummer. Davíð Stefánsson drei Beilagen. Selbst der Erztrottel Þórbergur bekam nicht minder als sieben ganze Seiten in dieser konservativen Zeitung. Der Kommunist schlechthin. Nur weil er so "komisch" war. Jedenfalls habe ich mich bei der Beerdigung nicht gelangweilt. Ich sollte eine Sondernummer wert gewesen sein, mindestens sechs Bögen. Verdammt noch mal, der bedeutendste Schriftsteller des Landes! Ob die Kirche voll gewesen ist? Oder gab es "noch freie Plätze"? Eins, was ich nicht leiden konnte: leere Sitzreihen. Meine Theaterstücke? Wo waren sie jetzt? Warum lebe ich ausgerechnet in diesem Werk weiter? Acht große Romane habe ich geschrieben und drei kleine. Sieben Schauspiele. Sechs Essaysammlungen. Fünf Bände Memoiren. Und zwei Reisebücher. Und jetzt sitze ich hier in dieser einen Geschichte fest und hole mir einen nassen Arsch! War sie das Einzige, was blieb? Sollte ich nur in ihr weiterleben? - Sofern man das Leben nennen durfte. Und Hrólfur, der Junge, das Mensch, Eivís: Alles meine Geschöpfe. "So entstehen die Berge." Und der Bauer auf Mýri eine exakte Kopie von Strom-Lási. Oh, ja, seinem eigenen Werk gegenüber ist der Autor blind. Aber wie, zum Teufel, hätte ich mich auch an diese Leute erinnern sollen? Ich hatte ein halbes Jahrhundert nicht mehr von ihnen gehört.
Ich, der ich doch mein Weiterleben im Jenseits nach all der Plackerei zu ausgiebigem Entspannen nutzen wollte. Ich brauchte Ruhe. "Hier ruht Einar J. Grímsson. 1912-2000". Doch, das sieht proper aus auf einem Grabstein, und Schulkinder können sich die Zahlen leicht merken.
Ja, ganz sicher bin ich tot.
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