Herbert Uhlens Buch reiht sich gleichberechtigt ein unter die in letzter Zeit erschienenen Attacken bekannterer Autoren auf den faulen Frieden zwischen Wissenschaft und Religion. Uhlens Buch hat zwar ein paar Mängel: Die Anordnung des Stoffs könnte etwas strukturierter und systematischer sein und auch ein Sach- und Personenverzeichnis wären bei der Fülle der angerissenen Themen sehr wünschenswert. Die wohltuend unprätentiöse, gut verständliche, inhaltlich niemals platte Sprache hätte manchmal noch von der Hand eines Lektors profitieren können, wenn sie zu sehr in eine umgangssprachliche Ausdrucksweise abgleitet. (Etwa:"Das mit der Doppelnatur des Lichtes führt leicht zu Missverständnissen." S. 128) Damit aber nun wirklich genug des etwas kleinlichen und an der Oberfläche kratzenden Gemäkels. Was Uhlens Buch auszeichnet, ist die konsequente Attacke auf all die unhaltbaren gedanklichen Bequemlichkeiten und "Kompromisse", mit denen er sich in seiner (unserer) gesellschaftlichen Umgebung Tag für Tag konfrontiert sieht ("... sich aber dennoch ein Hintertürchen offenhalten, denn man weiß ja nie, und irgendetwas muß es zur Erklärung der Welt geben, und die Gemeinschaft der Gläubigen gibt doch auch irgendwie Halt." S. 190). Die sozialen Funktionen der Religion finden bei Uhlen gerade eben jenes kleine Quantum an Gnade, das sie verdienen. ' Das massive Unbehagen über das dabei immer unterschwellig angepriesene intellektuelle Opfer bleibt stets präsent. Uhlen plädiert für Null-Toleranz gegenüber schlampigem Denken, ob es nun um Religion, Ökologismus und Naturverklärung, Astrologie, alternative Heilmethoden, Risikobewertungen oder die philosophische Position des radikalen Konstruktivismus geht. Er plädiert konsequent für das Verlangen nach Evidenz, wo diese zu erlangen ist und im übrigen für eine vernünftige Regelung menschlicher Angelegenheiten durch Konventionen - und zwar Konventionen, die in der Tradition eines säkularen Humanismus stehen, wie wir ihn uns in der historischen Entwicklung erkämpft haben und weiterhin erkämpfen müssen. So sei hier zum Schluß seine Stellungnahme zum Gottesbezug in der europäischen Verfassung zitiert: "Dass die christliche Religion eine dominierende Rolle in der Vergangenheit gespielt hat, ist eine Tatsache. Sie braucht nicht Gegenstand eines Bekenntnisses zu sein. Man braucht auch nicht ein Bekenntnis dazu ablegen, dass früher die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig war oder Monarchie die überwiegende Staatsform. ... Dass die christliche Religion in Zukunft eine bestimmende Stellung haben soll, ist wohl kaum von der Mehrheit gewollt. Das Staatenbündnis ist eine weltliche Angelegenheit. Was also soll das Bekenntnis bedeuten?" (S. 194)