Es ist doch so: egal wer gerade an der Regierung ist, für die Bürger ändert sich nichts. Notwendige Reformen werden aufgeschoben oder so lange zerredet bis man sich auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners geeinigt hat. Unsere Sozialversicherungssysteme sind marode und werden mühsam von einer Legislaturperiode zur nächsten zusammengekittet; unser Steuerrecht ist undurchschaubar; die Bildungspolitik ist bankrott; die (ursprünglich unbestreitbaren) Vorteile eines föderalen Systems sind niemandem mehr plausibel zu erklären. Die Folge: weitverbreitete Politikverdrossenheit.
Das Buch legt die Ursachen bloß: mangelnde demokratische Kontrolle durch die Bürger und das massive Eigeninteresse der "politischen Klasse", die sich die Strukturen der politischen Ordnung nach ihrem Bedürfnis zurechtschneidert.
Ein Buch das aufrütteln sollte, das aber von eigentlichen Adressaten - den Berufspolitikern - entweder höflich distanziert registriert und ad acta gelegt oder totgeschwiegen wird.
Sein Reformmodell: mehr Bürgerbeteiligung durch Direktwahl der Ministerpräsidenten, Veränderungen des Wahlrechts, die den Wählern größeren Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente geben soll, Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene. Kurz: mehr direkte Demokratie. Ein Modell, das Erfolg haben könnte, wenn die Beharrungskräfte der Politik nicht zu stark wären. Ich fürchte, es muss alles noch viel schlimmer kommen, bis sich etwas ändern wird.
Einziges Manko des Buches: die langwierigen juristischen Erörterungen, die für Nichtjuristen schwer nachzuvollziehen sind.