Aus der Amazon.de-Redaktion
Was würde wohl die Nachwelt über den inzwischen 46-jährigen, begnadeten
Titanic-Kolumnisten Max Goldt so Tolles denken, wenn er stürbe? Natürlich kann man das nicht wissen, aber für die Beantwortung von derlei skurrilen Fragen haben wir ja einen, der sie besser als jeder andere beantworten kann: Max Goldt selbst natürlich. In der wundervollen Erzähl- und Dialogsammlung
Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens hat er das getan, mit Hilfe des Mundes eines Freundes, in einer Geschichte mit dem anspielungsreichen Titel Das süße Nichts (Ich weiß noch, über was wir gestern Abend geredet haben), die von wunderschönen Konjunktiven nur so wimmelt. Wenn Max Goldt stürbe, sagt da der Freund, dann würde als toll im Gedächtnis bleiben, dass er eine angenehm ungroße Pfeffermühle besessen hätte und nicht, wie heutzutage beinahe bei allen, ein Ungetüm im Maßstab einer Grabbeigabe aus phallokratischer Vorzeit.
Vermutlich wird die Nachwelt an Max Goldt toll finden, was er nach der Tollfindäußerung des Freundes an Erklärungen für die Daseinsberechtigung hässlicher übergroßer Pfeffermühlen auffährt. Wie er aus der Absage, eine wunderbar satirische Weihnachtsgeschichte zu schreiben, eine herrlich ironische Story über Weihnachtsbräuche und die Psychologie satirischer Weihnachtsgeschichten schnitzt. Und wie es ihm immer wieder gelingt, den Finger auf all jene scheußlichen Dinge unserer Alltagswelt zu legen, an denen man in friedlichem Desinteresse und dank der guten baupolizeilichen Bestimmung in Deutschland auch einfach seitlich vorübergehen könnte.
Würde der Nachwelt nach Goldts Dahinscheiden nur Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens überliefert werden, so stünde es der Nachwelt gut an zu behaupten, Goldt sei niemals ein begnadeter Kolumnist gewesen. Denn mit diesem Buch hat er sich endlich von diesem einengenden Attribut emanzipiert. Er sollte den Nachgeborenen als begnadeter Humorist und Wortzauberer in Erinnerung bleiben. Dass er das und nichts anderes ist, hat er mit Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens eindrücklich bewiesen. --Thomas Köster
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
.
Kurzbeschreibung
Max Goldt schreibt heute das schönste Deutsch aller jüngeren Autoren. Es liegt zwischen der Ruhe Ernst Jüngers und dem sanften Wahn Robert Walsers. Die Heiterkeit und Stille, die diese Sprache ihren Lesern schenkt, liegt nicht nur im Humor; ebenso in einem freundlichen Abstandnehmen von den Aufdringlichkeiten einer Wirklichkeit, an der man sich besser seitlich vorbeidrückt. (Gustav Seibt) Mit «jüngeren» meint Seibt vermutlich «jünger als Grass und Walser». Aber das kann man ja schlecht dazuschreiben. Allerdings, wenn ich es mir recht überlege: Man könnte es durchaus dazuschreiben. (Max Goldt)
Über den Autor
Max Goldt, geboren 1958 in Göttingen, lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er «Ein Buch namens Zimbo. Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird» (2009) und «QQ» (2007). Goldt, der seit 1989 Kolumnen für «Titanic» schreibt, ist außerdem Musiker und verfasst Hörspiele und Comics. 1997 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor verliehen, 2008 der Hugo-Ball-Preis und der renommierte Kleist-Preis.