Oder anders ausgedrückt, auch Männern steht "Rock" gut zu Gesicht.
Zugegeben, erst wirkt das musikalische Kleid der neuen Dendemann Lyrik, die ja seit Jahren schon vollgepackt ist mit Metaphern, verdrehten Sprichworten und co., etwas eigenartig, aber je öfter man das hört, desto eher lässt man sich als Hörer drauf ein.
Lyrisch wie gesagt für mich das erste Highlight dieses Jahr. Dendemann erzählt und schimpft auf hohem Niveau wie ein weiblicher Rohrspatz mit extremen Redefluss - und die Betonung liegt hier auf Fluss, denn das Ganze Album ist durchdacht von vorne bis hinten.
Die Beats sind ganz anders als ich mir gedacht habe.
Jene, die schon die Beats der Pfütze des Eisbergs nicht so toll fanden, haben sicher auch beim handmade style des neuen Albums ihre Probleme, sich damit anzufreunden.
Die Songs sind kantiger, komplexer, sie sind inhaltlich rund, aber musikalisch haben sie bewusst Kanten, es ist melodisch etwas schwerer gelagert und doch geht alles gut ineinander über, aber eben ohne diesen Ohrwurm-Faktor, den ich noch bei der Pfütze des Eisbergs verspürte.
Das ist an sich aber kein Kritikpunkt, ist nur meine Wahrnehmung, wie ich die Songs wahrnehme.
Live zünden die sicher alles an was entflammbar ist.
Und doch frage ich mich, wie die feinsinnige Lyrik auf Beats ohne E-Gitarre geklungen hätte.
Da ich nicht wirklich der E-Gitarren Musikfreund bin, empfinde ich den Einsatz der Elektroschrammel-Instrumente stellenweise als zu dominant.
Das Schlagzeug wurde sehr gekonnt eingesetzt, die Beats packen einen.
Fazit: Toll das sich Dendemann stellvertretend für Hip Hop Deutschland in eine Richtung entwickelt, die wieder künstlerischen Anspruch auf allen Ebenen mit sich bringt. Mit der neuen musikalischen Ausrichtung wird man nicht nur Hip Hop Hörern und den alten Fans gerecht sondern kann auch so manchen Rocker begeistern, da bin ich mir sicher.