Aus meinem Blog übernommen:
Es ist das 2. Studioalbum des geschätzten Wortakrobaten namens Dendemann (Daniel Ebel) seit er solo unterwegs ist.
Sehnlich erwartet nicht zuletzt deshalb, weil sein letztes Machwerk bereits 2006 erschienen war.
Netterweise verkürzte Dende zwar die Wartezeit auf die nächste Platte, indem er kurzerhand ein Livealbum auf den Markt schmiss, aber auch diese Veröffentlichung konnte den Durst nach Dende nicht dauerhaft stillen. So waren die Schreie der Erleichterung manches eingefleischten Hip-Hop-Fans sicher existent, wenn auch kaum zu hören im Blätterwald.
Zwar steht das große D seit geraumer Zeit für Hip Hop auf allerhöchstem Niveau, einem Niveau, das kaum mit deutscher Sprache zu beschreiben ist, einem Niveau, das letztlich Dende heißen könnte, doch gelangte er neben den vielen anderen deutschsprachigen Rappern mehr und mehr ins Hintertreffen. Man mag es auf die großen Veröffentlichungspausen zurückführen, die es schwer machen, in den Medien präsent zu sein und zu bleiben.
Dennoch war er nie ganz weg aus der Hip-Hop-Landschaft, denn immerhin steht sein Name (bzw. der seiner alten Band Eins,Zwo) für Klassiker wie 'Hand auf's Herz', die noch immer vielen ein Begriff sein dürften.
Nun kommt er also, der 2. Streich - Dende auf großer Fahrt - wo geht die Reise hin?
Nur weg, so viel steht bereits fest, wenn man noch erstaunt dreinblickt, nachdem das erste Stück der Platte seinen Weg in den Gehörgang gefunden hat.
Dort heißt es: "Ich check aus, wenn auch spät, ich sag goodbye Parasiten-Hotel."
Weg also. Weg von Hip Hop. Raus aus Schubladen, in die man heute nicht mehr gesteckt werden will?
Dende hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von Gangstertum im Hip Hop hält - nicht viel. Das Maß scheint nun aber voll zu sein - in Interviews gesteht er, dass es ihm fast peinlich sei, heute noch zu sagen, er höre gerne Hip Hop. In einen Topf geworfen zu werden mit Rappern wie Massiv ist für einen Sprachtüftler wie Dende wohl keine feine Sache, einer wie er mag es gar als Beleidigung empfinden.
Aber "jedes kleine d hat ein großes ENDEMANN" heißt es nicht umsonst, mit ihm ist also zu rechnen.
Und zwar abzurechnen. 13 Stücke später, das wird jedem Hörer der CD klar, hat Dende nur noch eins mit Hip Hop am Hut - seine Verliebtheit in die Sprache. 13 Stücke brettern, holzen, hauen und klotzen nach vorne im dreckigen Sound der 80.er, Dendes Stimme reibt sich an den harten Drums und fertig ist Vom Vintage Verweht. Cuts vermisst man (bis auf eine einzige Ausnahme) komplett, Samples fast gänzlich. Vom Vintage Verweht ist kein Hip Hop mehr.
Vom Vintage Verweht ist Ärger, ist Wut, und Rock. "Ich hinterlass das Haus gerockt, doch besenrein." Kann man unterschreiben. Das Album funktioniert. Die Lieder gehen rein ins Ohr und wollen partout nicht mehr raus. Man ertappt sich immer wieder beim Singen von "Stumpf ist Trumpf 3.0" oder "Metapher than Leather". So muss Musik sein.
Was folgt daraus? Vielleicht mehr kommerzieller Erfolg für Dende, zu gönnen wäre es ihm, stand er doch zuletzt mächtig im Schatten der üblichen Berliner Hip-Hop-Vertreter.
Nur, was wird aus Hip Hop? Wenn sich selbst einer der wenigen verbliebenen absoluten Qualitätsgaranten von ihm verabschiedet liegt es nicht allzu fern, Hip Hop die Todesanzeige zu verfassen. Dende reiht sich ein in die Reihe der Rapper, die vor Hip Hop fliehen. Nun steht er mit Jan Delay und Deichkind irgendwo da, wo Hip Hop nicht steht.
Man ist gewillt zu sagen, das wird wieder. Doch ist es legitim, dass der Glaube daran fehlt. Hip Hop wird mehr und mehr zur Musik für Jugendliche, die mit feinen Wortspielen und leisen Tönen wenig anfangen können. Ausdruck dieser Dynamik ist etwa die Wahl von Kool Savas zum besten MC Deutschlands.
Man muss das so hinnehmen. Und darauf hoffen, dass es irgendwo da draußen noch jemanden gibt, der sich aufmacht, das Niveau von deutschem Rap zu retten. Einen wie Umse.
Und was bleibt übrig, wenn wir Vom Vintage Verweht wurden? Jede Menge frische Zitate für Zitierer, Wortspiele, die einige Wortspieler neidisch machen dürften, ein neues Dendealbum.
Es mag vor allem nicht für Dendefans sein bestes sein, doch allemal ein nachvollziehbarer Schritt und bleibt dabei Musik. Musik, die Spaß macht.