Aus der Amazon.de-Redaktion
Nachdem die Ausstellung massive Proteste hervorgerufen hatte, unter anderem weil für manche der ausgestellten Fotos falsche und irreführende Bildunterschriften übernommen worden waren, ist sie mittlerweile in einer überarbeiteten Fassung wieder zu sehen. Von dieser zweiten, "völlig entschärften" Wehrmachtsausstellung distanziert sich Hannes Heer, der darin nur ein weiteres Indiz sieht für eine von ihm diagnostizierte "geschichtspolitische Wende", der gemäß die Deutschen begännen, sich vorwiegend selbst als Opfer von Vertreibung und Bombenterror zu betrachten, statt sich über die eigene Schuld zu grämen. Die "Tiefenströmung, die das Schicksal der Bundesrepublik von Beginn an beeinflusst" habe, sei von der "Obsession bestimmt, sich eine Vergangenheit zu suchen, die passend ist". Mit Vehemenz richtet sich Heer mit seinem Buch gegen die "bedingungslose Kapitulation der zweiten Wehrmachtsausstellung", die nur den Wünschen des Publikums aber nicht mehr der historischen Wahrheit verpflichtet sei.
Starker Tobak also für jene, denen es nach wie vor ein Anliegen ist, "die Ehre der Wehrmacht" zu verteidigen und die darauf pochen, dass man Verbrechen von (ganz normalen) Wehrmachtsangehörigen als außerordentliche Ausnahmen zu betrachten habe. An der Faktizität des Vernichtungskrieges aber gibt es nun mal nichts zu deuteln. Nach den Tätern zu fragen muss deshalb erlaubt sein. Freilich steht es zugleich jedermann frei, die Thesen Hannes Heers zu widerlegen. Dies indes wird gar nicht so einfach sein! --Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Ausgehend von der Geschichte der Wehrmachtsausstellung zeigt Heer, wie die Frage nach Mitverantwortung deutscher Soldaten an NS-Verbrechen privat und öffentlich ausgeblendet wird. "Dem Autor ist es gelungen, die unscheinbaren Verschiebungen des geistigen Klimas in Deutschland in einen Kontext zu stellen, der einen erschauern läßt." Süddeutsche Zeitung