Es muss sich tatsächlich einiges aufgestaut haben, betrachtet man die Liste jener Bücher, die sich mit der aktuellen Situation Österreichs beschäftigen (zB Anneliese Rohrer, "Ende des Gehorsams"; Hugo Portisch, "Was jetzt" usw.) In die gleiche Kategorie fällt wohl das Buch von Wolfgang Radlegger.
Der langjährige Politiker - er war im Bundesland Salzburg einst die Nummer 2 -fordert von den Menschen des Landes in erster Linie Zivilcourage - "gegen das Unbehagen der Bürger über das, was tradierte politische Systeme im Angebot haben". Und das politische Angebot ist in Österreich (und nicht nur hier) wahrlich nicht berauschend (vorsichtig ausgedrückt): Eine entscheidungsschwache bis entscheidungsunwillige Rgegierungsspitze; "Länderkaiser", die das Geld der Steuerzahler mit vollen Händen hinauswerfen; reformunwillige "Aussitzer" in diversen Gruppierungen (Beamtengewerkschaft!) usw. usf.
Dazu kommt noch, dass es im Parlament in Wien keine "europäische Stimme" gibt (und man damit das Feld der Europapolitik den Populisten a la Strache überlässt).
Weiters fordert Radlegger, dass das Parlament wieder "Zentrum des politischen Handelns und Entscheidens" werde (was es derzeit sicher nicht ist - siehe die Hinnahme des Verfassungsbruches im Zusammenhang mit dem Budget 2011).
Daneben sollte es diverse Reformen geben (die Vorschläge wären da) - Österreich hat zB 10 Spitalsgesetze; der Schulproporz sollte abgeschafft werden - usw. usf.
Ein kluges und wichtiges Buch zu einem Österreich, von dem der ehemalige Politiker Hannes Androsch sagt, es "sei reformunfähig geworden".