Die Message: "Unterscheide, ohne zu trennen!" und "Vereine, ohne zu egalisieren!" (S. 200)
Von der aristotelischen Logik ausgehend, haben wir das Uni(Multi)versum zunehmend in paarweise Extreme aufgespalten und hören nicht auf, miteinander um Begriffe und Definitionen zu streiten. Der Autor nimmt sich ein Herz und unterbreitet uns eine scheinbar recht simple, dabei jedoch nur indirekt vermittelbare Theorie der Gestaltung der jeweils persönlichen Wirklichkeit aufgrund der augenblicklich "gegebenen" immerzu unerreichbar bleibenden Realität. Er hilft uns dabei, die eigenen kulturellen Vorurteile und "Standards" als solche zu erkennen und gewährt im Zuge dessen manchmal auch dem Trivialen RaumZeitRaum. Das Schöne daran, er verliert sich nicht darin. Wir haben es hier mit einem sokratischen Wissenschaftler zu tun, der das eigene Wissen in Frage stellt und die Bedingungen des stets für selbstverständlich Gehaltenen hinterfragt. Er betreibt damit natürlich auch Begriffsarbeit und es liegt an dir, liebe Leserin, lieber Leser, die zugrunde liegende Absicht zu verstehen, die er schließlich im dritten und letzten Kapitel offen legt.
Alles in allem ein wunderbares Werk, das die Extreme, in die wir uns durch die sogenannte HX-Verwirrung verrennen, klar darstellt und dialektische statt logische Paare anbietet, die sich im Alltag (so die Hoffnung) leben und er-leben lassen. Einige dieser dialektischen Paare, die sich wechselseitig ergänzen und brauchen, seien hier (nebst in Klammern gesetzten einander ausschließenden Paaren) angeführt:
Erinnern und Vergessen (statt Speichern oder Löschen)
Freiheit (statt Willkür und Ordnung (statt Regelung)
Toleranz (Gefahr: Gleichgültigkeit) & Auseinandersetzung (Grenze: Streit)
Phantasie (Extrem: Wahn) & Utopie (Extrem: Illusion)
Freude & Ernst (statt Spaß oder Trostlosigkeit).
Wir verfallen den Extremen, weil wir bspw. Trostlosigkeit als "Feind" bekämpfen und spaß-süchtig werden anstatt einzusehen, dass "der schmale Grat des wahren Weges" im Aufeinander-bezogen-sein von Freude und Ernst liegt. Oh, in dem Buch steckt noch viel mehr als diese Einsicht!
Ich finde, dieses Buch sollte von vielen Menschen gelesen werden. Ich empfehle es allen Philosophinnen und Wirtschaftswissenschaftlern und allen philosophischen Wirtschaftswissenschaftlerinnen und allen wirtschaftenden Philosophen, allen Vertretern des Physikalismus, Pragmatismus und Spiritualismus, und allen, die sich nicht mehr streiten wollen um sich danach einzugestehen, mein Gott war das unnötig! Eine Empfehlung an alle, denen folgende Gedankenkette nicht unbekannt ist:
"Warum hat er oder sie das nur gesagt oder getan?
So könnte es freilich gewesen sein!
Das muss es wohl auch gewesen sein!
Ja, das war es auch!"
(S. 129)