Ganz selten bin ich von einem Jakobsweg-Buch derart begeistert! Ich habe inzwischen an die 20 dieser Reiseberichte gelesen, manche waren schlecht, einige ganz nett und nur wenige vereinten fast alles, was ich von solch einem Buch erwarte: Tiefgang, Humor, Gefühle, Probleme, Gedanken, Lösungen... Maori Kunigo ist nicht gläubig, dennoch zieht ihn der Camino magisch an. Er überwindet seine Reiseangst und geht ab Logrono los. Natürlich hat sich der "Ich bin am liebsten auf alles vorbereitet"-Phobiker vorher die beste und leichteste Ausrüstung angeschafft - nimmt sich selbst in seinen Vorbereitungen aber nicht allzu ernst. Die ganze Reise wird wundervoll unterhaltsam beschrieben, aber nicht ohne Tiefgang und der Schilderung von innerer Veränderung. Der Stil ist für einen Nicht-Profi wunderbar eloquent, intelligent und witzig! Beschriebene Freundschaften und Feindschaften gehen zu Herzen, Erlebnisse nachfühlbar. Selbst den irren Simon aus Hannover gewinnt man irgendwie lieb (ok, wenn man ihn nicht persönlich am Bein hat...) und nach 222 Seiten ist man fast schon enttäuscht, dass die Reise vorbei ist!
Ich rege mich gern über die Jakobsweg-Schreiberlinge auf, die gerade mal 100 Seiten "hinrotzen", den Leser durch Nordspanien rasen lassen und keine Zeit auf komplexere Schilderungen verschwenden. Da werden Hotelnamen, Etappenzeiten und Mahlzeiten akribisch aufgezählt, aber das Wesentliche fehlt. Das Machwerk wird dann für 15 Euro über BoD vertrieben. Dieses Buch ist keines davon! 222 Seiten im Großformat (größer als TB!), da ist der Preis schon glatt ein Schnapper! Zwar ist es auch ein Bod, aber es verdient eigentlich einen professionellen Verlag, tolle PR und viel mehr Leser!!
Vom Unterhaltungswert vergleichbar mit Kerkeling, Ausführlichkeit und Tiefe kommen "Vom 'weg' zum Weg" gleich. Im Moment mein liebstes Camino-Werk!